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Die Stadt an der Warthe ist gerade einmal 300 Kilometer von Berlin aus entfernt. Die Anreise mit der Bahn via Berlin-Hauptbahnhof war kurz und schmerzlos. Die knapp 600000 Einwohner zählende Stadt in der Woiwodschaft Großpolen war bereits Anwärter zur Kulturhauptstadt 2016. Jedoch machte die inländische Konkurrenz, die Stadt Breslau, letztendlich das Rennen. Überhaupt ist Posen eine Stadt, die anderen Städten in Polen (Danzig, Krakau, Breslau) in Sachen Besucher immer etwas unterlegen ist. Dabei ist aus der 5. größten Ansiedlung Polens eine internationale und moderne Stadt geworden, inmitten eines historischen Kerns mit vielen deutschen Wurzeln. Posen ist heute die "Design" Metropole und verfügt über zwei Hochschulen für diesen Studiengang. Posen ist damit eine auch eine angesagte und beliebte Studentenstadt die International einen guten Ruf genießt.

Der Winter ist sicherlich nicht die beste Zeit eine Stadt zu erkunden. Kälte und Tageslicht sind nicht sonderlich zum Vorteil. Allerdings bietet diese Zeit auch mehr Platz, denn weniger Menschen sind unterwegs. Neben der schön herausgeputzten Innenstadt von Posen (größtenteils mit EU Geldern finanziert), lassen sich aber noch viele andere Dinge, fernab der Reiseführer erkunden. Posen war übrigens die erste Hauptstadt Polens und auch der Ort, in dem Polen sich zum ersten Mal zum Christentum bekannte. Damit startete also die Geschichte Polens direkt in dieser Stadt. Der Handelsplatz im Herzen der Stadt war nach dem Zweiten Weltkrieg völlig zerstört.

posenTouristenmagnet Rathaus Posen.

Heute zeigen sich am restaurierten Rathaus jeden Mittag zwei Ziegen, die der Legende nach einst in dem Rathausturm flüchteten, um nicht verzehrt zu werden. Das Schloss Posen wurde 1910 für den deutschen Kaiser Wilhelm II. gebaut. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Posen aber wieder polnisch. Im Zweiten Weltkrieg dann übernahmen wiederum die Deutschen die Herrschaft über Polen und damit hatten sie erneut Zugriff auf das Schloss. Hitler ließ das Schloss als seine Residenz umbauen. Ob er aber jemals hier war?

posen2Aus alt mach neu - Posen befindet sich immer noch im Wiederaufbau.

Doch genug von den Geschichten über Posen, die man auch in jedem Reiseführer finden kann. Zeit, sich etwas abseits des Hauptstromes zu bewegen. Die Fortbewegung in Posen geht übrigens gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Dafür empfiehlt sich der Erwerb der Posznan-Card. 3 Tage kostenlos den ÖPNV nutzen, dazu freier Eintritt in den meisten Museen etc. Das Ganze gibt es für knapp 20 Euro (wahlweise auch nur für einen oder zwei Tagen entsprechend günstiger). Und los geht es raus aus dem Touristenzentrum Richtung neuen Zoo im Südosten der Stadt. Hier ist nicht nur der Zoo interessant, auch was drum herum zu finden ist. Direkt neben den neuen Zoo liegt der der Jezioro Maltańskie See, ein Anfang 1950er Jahre künstlich angelegter Stausee.

posen4Sport- und Freizeitpark Malta

An dem See befinden sich etliche Sportanlagen, unter anderen eine ganzjährige Rodelbahn und ein künstlicher Skihang. Auf dem See werden regelmäßig Ruderwettbewerbe ausgetragen. Nördlich des Ufers verkehrt in den Sommertagen die Schmalspurbahn "Maltanka" mit einer Lok aus den Berliner Borsigwerken direkt zum Eingang des neuen Zoos. Im Zoo stehen die Überreste von Fort III. Westlich des neuen Zoos lassen sich bei einem kurzen Spaziergang die Ruiny ogrodnictwa Mielochów, das Infantry shelter J2 IIa, Shelter U7 IIa und schlussendlich das Mauzoleum Mielochów erreichen.

posen3Das Mauzoleum Mielochów befindet sich in einem traurigen Zustand.

Die ehemaligen Festung von Posen wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert errichtet und war in dieser Zeit das drittgrößte Festungssystem dieser Art in Europa. Die Festung Posen war 1945 in der Schlacht um Posen schwer umkämpft. Heute sind die Überreste der Festung Posen teilweise in einem bedauernswerten Zustand und befinden sich stückweise im Stadtbild verteilt. Weitere Überreste sind im Norden im Park Cytadela zu finden. Diese sind gut erhalten und beherbergen heute Militärmuseen. Die dortige Festung wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. In den 1960er Jahren wurde auf dem Gelände ein Park angelegt, der sich bis heute in der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreut. Wirklich lohnenswert die Besichtigung der übrig gebliebenen Befestigungsanlagen allerdings nicht. Teilweise zu weit weg und zu unspektakulär.

posen6Shelter U7 IIa.

Im Stadtbild Posens finden sich wieder Kontraste, die entgegen die Modernen Gebäuden und den schicken, frisierten Altbauten stehen. Sogenannte „Lost Places“. Das beste Beispiel ist das Stadion Edmunda Szyca, südlich der mega Shopping Mall Stary Brower. Ich habe ja schon viele Lost Places besucht, das Stadion Edmunda Szyca aber ist eines der schrägsten und unheimlichsten. Das Stadion wurde 1929 erbaut, wurde kurz nach seiner Eröffnung aus Sicherheitsmängeln fast 10 Jahre stillgelegt. Als die Deutschen Posen besetzten, wurde das Sportgelände zweckentfremdet. Um den Wiederstand gegen die Deutschen in der Bevölkerung zu brechen, wurden Menschen in der Sportstätte öffentlich aufgehängt. Nach dem Krieg wurde das Stadion umgebaut und fasste angeblich 60.000 Zuschauer. Seit 1989 ist das Stadion Geschichte. Heute sind Tribüne und Holzbänke längst verfault bzw. geklaut und abgetragen und die Natur hat sich das Gebiet zurückerobert. In den übrig gebliebenen zum Stadion gehörenden Kassenhäusern, Umkleiden und Katakomben wohnen jetzt Obdachlose. Das ganze Gelände ist völlig vermüllt.

posen5Das Geisterstadion in Posen - Edmunda Szyca.

Jede Reise geht einmal zu Ende und auch diesmal vergingen die 2,5 Tage schnell. Leider konnten nicht alle Pläne umgesetzt werden. Das anhaltende, extrem schlechte Wetter und die damit verbundene Dunkelheit ließen das nicht zu.

Fazit: Posen ist auf jeden Fall einen Besuch wert und leider bis heute ziemlich unterschätzt. Zugegeben, mit Krakau und Breslau kann Posen nicht wirklich mithalten. Es ist noch heute deutlich zu erkennen, wie sehr der 2. Weltkrieg der Stadt zugesetzt hat. Dann kamen die Sowjets und aus Polen wurde eine kommunistische Volksrepublik. Dessen Architektur ist auch nach 30 Jahren auch in Posen gut zu erkennen, auch wenn viele Gebäude neu entstanden sind oder alte renoviert wurden. Bis auf das kleine Stück Altstadt und den vereinzelten Gebäuden aus der Gründerzeit, herrscht in Posen ein architektonisches Durcheinander. Viele schöne Gebäude stehen heute immer noch leer und müssen mit Netzen umhüllt werden, damit abfaulende, herunterstürzende Teile keine Gefahr für Leib und Leben werden. Die Innenstadt wird durch die vielen Straßenbahnlinien verstopft. Teilweise überqueren Straßen stark frequentierte Fußgängerzonen. Durch die Stadt ziehen sich viele gute Restaurants und Bars. Das Preisniveau ist (noch) recht gut. Es lohnt sich die Stadt zu entdecken.

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krakauVergessen und verlassen - die Filmkulisse von Schindlers Liste

Die zweitgrößte Stadt Polens liegt im Südosten des Landes. Mit dem Auto kann sich die Fahrt schon ganz schön ziehen. Auch mit der Bahn ist die Stadt in der Woiwodschaft Kleinpolen nicht viel schneller zu erreichen. Am bequemsten ist dann doch ein Flug. Allerdings sind die Flugverbindungen nach Krakau nicht sonderlich gefragt und die Tickets damit nicht preisgünstig. Dennoch ist es die beste Lösung für einen Kurztrip nach Krakau. Das Flugzeug war auf den Hinflug halb leer. Der Krakauer Flughafen Johannes Paul II vermittelte einen extrem modernen und übersichtlichen Eindruck. Alle 30 Minuten fährt ein Zug zum Krakauer Hauptbahnhof. Tickets gibt es am Automaten auf dem Bahnsteig oder im Zug (im Zug nur Barzahlung möglich). Der Automat akzeptiert Karten und spricht auch deutsch. Die Fahrt zum Hauptbahnhof dauert 20 Minuten und kostet 9 polnische Zloty.

Einen internationalen  Bekanntheitsgrad erlangte die Stadt Krakau durch den mit 7 Oskars ausgezeichneten Film „Schindlers Liste“. Viele Stellen der Stadt an der Weichsel dienten als Drehort für diesen Film. Aus diesem Grund waren dann auch die ersten Stationen das heute völlig unbekannte KZ Plaszow, die alte Schindlerfabrik und Kazimierz, der ehemalige jüdische Stadtteil Krakaus indem Ghettoszenen gedreht wurden. Das ehemalige KZ Plaszow in Krakau ist heute eigentlich nicht mehr existent. Das Lager wurde auf zwei verwüsteten jüdischen Friedhöfen errichtet. Nach der Auflösung des Lagers ließen die Polen im wahrsten Sinne des Wortes Gras über die Sache wachsen. Heute sind kaum noch Spuren von dem Camp zu finden. Allenfalls ein paar Ruinen und Bunker erinnern noch an die ehemalige Funktion des riesigen Terrains. An einigen Stellen wurden Gedenksteine aufgestellt. Heute wird das Gelände zum Joggen und Gassi gehen genutzt. Die vielen Feuerstellen mit Leergut zeugen von nächtlichen Gelagen.

Die Villa von Amon Göth, dem Schlächter von Plaszow, steht auch noch. Das Gebäude, das eher einem gutbürgerlichen Wohnhaus gleicht, befand sich außerhalb des Camps und nicht wie im Film dargestellt auf einer Anhöhe. Ob Amon Göth vom Balkon aus tatsächlich auf die Insassen geschossen hat, darf stark bezweifelt werden. Zur Rückseite des Hauses befindet sich eine Erhebung die eine Einsicht in das Lager verhindert hätte. Ob diese Anhöhe schon vor 70 Jahren dort war, entzieht sich meiner Kenntnis. Es wird angenommen, dass Amon Göth vom sogenannten „Grauen Haus“ (ehemaliges Haus der jüdischen Beerdigungsbrüderschaft, umfunktioniert als Haftraum und Folterkammer der SS) in Lagernähe geschossen hat. Das graue Haus steht heute noch unweit des vom Göth Haus am Eingang des Geländes. Das Haus des österreichischen Massenmörders wird derzeit nach stetigem Verfall aufwendig saniert. Hinter dem ehemaligen Camp befindet sich ein stillgelegter Steinbruch. Hier wurden die Lagerszenen aus dem Film gedreht. Noch heute befinden sich Überreste der Kulissen in dem Steinbruch. Ein Teil der Zäune und der Weg aus jüdischen Grabsteinen sind von den Filmbauten noch erhalten. Nach 25 Jahren hat sich die Natur alles wieder zurückerobert. Der gesamte Steinbruch ist verwildert und als Drehort eigentlich nicht mehr wieder zu erkennen.

Vom Lager Plaszow sind es in etwa 15 Minuten zu Fuß bis zur alten Schindlerfabrik. Das Gebäude ist gut erhalten und war bis vor ein paar Jahren tatsächlich noch Produktionsstätte. Heute befindet sich in der Schindlerfabrik ein zeitgeschichtliches Museum. Die Touristen stehen bis auf die Straße Schlange. Die Innenaufnahmen im Film wurden aber nicht in diesem Gebäude gedreht. Ein paar Kilometer weiter, nach Überquerung der Weichselbrücke, der nächste legendäre Drehort: Kazimierz. Der heutige Trendbezirk war Anfang der 90er Jahre durch seine Verwahrlosung der ideale Drehort für das Schwarz-Weiß Drama. Der Filmtourismus verhalf den abgerockten Viertel zum neuen Wohlstand. Ein Rundgang durch das Viertel erinnerte an viele Szenen. Das ursprüngliche Ghetto befand im Stadtteil Podgorze, auf der anderen Seite der Weichsel. Dort erinnern nur noch Gedenktafeln und Fragmente der Ghettomauer an das Elendsviertel.

Oskar Schindlers Haus befand sich nördlich des jüdischen Viertels Kazimierz. Heute erinnert nichts mehr an den ehemaligen Wohnort des Unternehmers. In Kazimierz wurde in den letzten Jahren viel saniert. Nur noch selten erinnern Gebäude daran, wie heruntergekommen das einstige jüdische Viertel einmal war. Mittlerweile ist in dem Viertel eine große Ansammlung von Restaurants und Bars zu finden. Menschenmassen wälzen sich durch die Straßen und Gassen. Überall kutschieren  Elektrowagen Touristen durch die Gegend. Krakau scheint aus allen Nähten zu platzen. Noch Schlimmer ist es an der Wawelburg und in der Altstadt. Letzteres habe ich aufgrund des enormen Ansturms auf einen zweiten Besuch verschoben. Trotzdem die Touristen wie Heuschrecken in die Stadt einfallen, sind die Preise stabil günstig geblieben. Ein Essen ist mit Getränken für unter 10 Euro zu haben. Das sind quasi Kantinenpreise.

Fazit: Auch wenn ich letztendlich die Altstadt von Krakau ausfallen lassen musste, hat sich der kurze Besuch in Krakau gelohnt. Mit dem Geschichtsprogramm und Kazimirz war der Tag auch komplett ausgefüllt. Es war super spannend die Orte der Geschehnisse aufzusuchen und Drehorte wieder zu erkennen. Bei über 30 Grad war der ganztägige Fußmarsch teilweise aber eine echte Tortur. Versäumtes wird in einer Zeit nachgeholt in der die Stadt nicht so stark mit Touristen überlaufen ist (Winter).

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