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verdenDas wohl bekannteste Portrait von Verden (Aller)

Wie kommt man eigentlich dazu, eine niedersächsische Provinzstadt mitten in der Pampa zu besuchen? Nun, eine berechtigte Frage. Verden an der Aller ist sicherlich jetzt keine weite Anreise wert. Da mich aber mit dieser Stadt doch noch einige Erinnerungen verbinden, zwischen 1981 und 1984 habe ich dort gewohnt, wollte ich einfach mal sehen, wie es nach fast 36 Jahren Abwesenheit dort so aussieht und an was man sich eventuell noch erinnert. Dies wird deshalb ein etwas "anderer" Reisebericht.
Bevor ich die das niedersächsische Dorf gen Braunschweig verließ, feierte man in Verden gerade das 1000-jährige Bestehen. Unvergessen auch die jährliche Domweih, die immer die komplette Innenstadt lahmlegte. Und da war die jährliche Pferdeauktion, bei der ich mir immer ein Zubrot verdiente, indem ich am Auktionatorpult in der Niedersachsenhalle die Nummern der zu versteigerten Pferde manuell aufgehängt habe. Hartmut Konschal war Trainer vom TSV Verden - damals in der Landesliga.

Um in die niedersächsische Provinz zu kommen, ist es natürlich immer besser, mit dem Auto anzureisen mangels Infrastruktur vor Ort. Da ich mich aber von meinem Auto vor zwei Jahren verabschiedet habe, blieb eben nur die Deutsche Bahn. Doch keine Bahnfahrt ohne Ärger. Wie auch im letzten Jahr bei der Reise nach Prag: Zug fällt aus! Immerhin nicht ersatzlos. Es verkehrte stattdessen ein IC mit nur ein paar Waggons, was natürlich zur Folge hatte, dass der Zug aus allen Nähten platzte. Nach einer (doch unerwarteten) pünktlichen Ankunft am Verdener Bahnhof musste ich mir erst einmal die Augen reiben. Den gesamten Bahnhof hatte ich doch tatsächlich anders in Erinnerung. Bei Einfahrt des Zuges im Bahnhof Verden, fiel der erste Blick auf ein riesiges, graues Gebäude. Ein Lost Place der Extraklasse. Die verlassene Fabrik Höing Kraftfutter. Ein Symbol eines daniedergehenden Landkreises in Niedersachsen.

kraftfutter verdenHöing Kraftfutter - seit 30 Jahren ist hier Feierabend.

Nicht weit vom Bahnhof entfernt habe ich mal gewohnt. In der Zollstraße 13b. Auch hier ist nichts wieder zu erkennen. Das Haus 13b, ein Gebäude vielleicht aus den 1940er Jahren (soweit ich mich erinnern kann), lag damals direkt neben den Autohaus Leonhard & Rennecke. Weg! Heute steht dort ein EKZ. Gegenüber befanden sich einst Kasernen, die bis Anfang der 1990er Jahren von der 1st Armoured Division of the British Army genutzt wurden. Im Winter wurde ich Anfang der 1980er Jahren von den dort stationierten Soldaten immer mit Schneebällen beworfen, wenn ich aus dem Haus kam. Ja, damals gab es noch Schnee im Winter. Von der Kaserne wie sie mir in Erinnerung geblieben ist, kaum noch etwas zu identifizieren. Heute erfüllt das Kasernengelände eine andere Funktion. Schräg gegenüber der ehemaligen Kasernen befindet sich heute ein griechisches Restaurant. Das gab es dort auch schon 1982. Aus dem alten Schmuddelkino auf der Zollstraße ist heute wohl das einzige Kino in Verden geworden. Ganz im Trend mit anglizistischen Namen. Auf dem Weg zum Hotel Niedersachsenhof passierte ich die Lindhooper Straße. Auch das ehemalige Kino "Regina" gibt es nicht mehr. Nur der Schriftzug ist noch zu erkennen.

 
reginaDas ehemalige Kino "Regina" ist heute...was?
 
Der erste Gang durch die Fußgängerzone und der Altstadt von Verden brachte die Erkenntnis, dass hier sich weniger verändert hat. Jedoch sprechen die vielen leeren Geschäfte in der Innenstadt für sich. Verrammelt, geschlossen, zugesperrt. Aus einer einst belebten Innenstadt ist irgendwie ein Gebiet geworden, wo man auch gut den nächsten Horrorfilm drehen könnte. Die nebelige und dunkle Jahreszeit tat ihr übriges zum stimmungsvollen Ambiente der Stadt. Einige Geschäfte haben aber tatsächlich bis heute überlebt. Ich erinnere mich an das Eiscafé Venezia und dem Kunstgewerbeladen. Im ehemaligen Kino Schaumburg, ist heute ein Modegeschäft. Echt gruselig: Die schlimme, Augenkrebs verursachende Kaufhalle an der Aller gibt es immer noch. Positiv: Sie wird gerade abgerissen. Das dieses, auch schon in den 1980er Jahren als abstoßendes Gebäude empfundene Relikt, so lange überlebt hat verwundert mich.
 
verden2Aus und vorbei - schon viele Jahre...
 
Auch vor Verden hat illegale Migration offensichtlich nicht haltgemacht. Die berühmte Massenschlägerei 2016 in einer Verdener Asylunterkunft schaffte es aus der tiefen niedersächsischen Provinz sogar bis in die Boulevardblätter der Berliner Hauptstadt. Am Bahnhof Verden waren "Jugendgruppen" zu bewundern, die über eine Bassbox laut "orientalische" Musik abspielten. In der Innenstadt Schwarzafrikaner auf Fahrrädern. Unverständliches Stimmengewirr diverser mir nicht bekannten Sprachen in Gaststätten und Restaurants. Auch Verden besitzt jetzt ein dichtes Netz an Dönerbuden, Spielhallen und Billigshops und folgt damit einen sehr großen Trend in deutschen Städten. Sehr fortschrittlich und politisch gewollt.
 
Da ich nicht nur in der Zollstraße gewohnt habe, wollte ich auch noch mal sehen, wie es heute an dem zweiten Wohnort in Verden aussieht. Dieser befand sich außerhalb der Innenstadt in einem Neubaugebiet der 1960er vielleicht 1970er Jahre. Lerchenweg 7. In dem Gebiet mit sozialen Wohnungsbau wohnten Anfang der 1980er Jahre auch sehr viele Besatzungstruppen. Oft gab es dort Ärger. Alkohol, Drogen und häusliche Gewalt sind mir noch gut in Erinnerung. In dieser Gegend Verdens war der Abgleich mit der Erinnerung für mich einfacher. Eigentlich hat sich so gut wie gar nichts verändert. Der momentane Zustand der Siedlung lässt vermuten, dass hier auch heute nicht das Reiche Klientel der Stadt wohnt. Ein paar Meter weiter der Plattenberg mit seiner 1970er Kirchengemeinde St. Nikolai. Optisch gesehen kaum eine Veränderung. Verdener Campus - Oberschule - Gebäude Trift, früher eine Realschule. Mittlerweile bekam die Schule ein Facelifting. Das Design der 1970er Jahre ist aber noch gut zu erkennen. Klar, die Zeit geht voran und nichts bleibt, wie es war.

Ein Gelände in Verden, mir bis dato völlig unbekannt, ist der Sachsenhain. Eine Anlage, die einst von der SS genutzt wurde. 4500 Findlinge säumen den Weg zu dem Terrain, das heute von der Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers betrieben wird. Imposante Fachwerkhäuser unterschiedlicher Größe bieten jetzt Räume für Bildung und Tagungen der evangelischen Jugend. Um dem historischen, mit brauner Vergangenheit behafteten Sachsenhain, wird von der Stadt kein großes Aufsehen betrieben. Wohl aus Angst, dass sogenannte „Nazis“ hier einen Pilgerort entstehen lassen. Von der Hauptstraße (B 215) gibt es keinen direkten Hinweis zu dem geschichtsträchtigen Gelände.
 
sachsenhainFrüher Unterkunft der SS, heute Treffpunkt der evangelischen Jugend.

Fazit: Gerne hätte ich auch noch Umgebung der Stadt erkundet, da ich daran auch noch viel Erinnerung habe. Zum Beispiel Ottersberg oder Achim. In Ottersberg bin ich zur Schule gegangen und in Achim habe ich vor Verden gewohnt. Leider war es nicht möglich, direkt in Verden einen Leihwagen anzumieten. Nun war ich vor Ort leider nicht besonders flexibel und nur auf die übersichtliche 25.000 Einwohner Gemeinde beschränkt. Dass die Abrissbirne in Verden (Aller) die letzten 36 Jahre so aktiv war, hätte ich eher nicht vermutet. Gerade, dass alte Bauwerke Einkaufszentren weichen mussten, hat mich überrascht. Einige Gebäude wurden generalüberholt, andere mehr oder weniger passend neu ins Stadtbild gesetzt. Die Erinnerung weicht doch sehr stark von dem aktuellen Bild ab. Bei meinem Besuch empfand ich Verden architektonisch als ein großes Durcheinander mit wenig Linie. Teilweise auch total verbaut und zu den vielen schönen und alten Fachwerkhäusern nicht passend. Zu viel Klinker, zu viel zueinander nicht harmonierende Gebäude. Die Innenstadt mit den vielen leer stehenden Läden deutet darauf hin, dass sich Verden wohl auf dem Weg befindet, das gleiche Schicksal anderer niedersächsischer Kleinstädte zu erleiden. Dass die Zustände noch nicht schlimmer sind, ist wohl die Nähe zur Stadt Bremen zu verdanken. Ich kann es mir nicht vorstellen, in Verden noch mal zu wohnen.
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goerlitzKein Motiv ist beliebter von Görlitz...

Oft ist sie nicht im Gespräch, die östlichste Stadt Deutschlands. Aber wenn, dann immer im Zusammenhang mit der imposanten Architektur. Grund genug die Stadt an der Neiße einen Beuch abzustatten. Die Deutsche Bahn hat die Verbindung nach Cottbus bzw. Görlitz schon längst abgegeben. So verkehrt komplett die Ostdeutsche Eisenbahn auf dieser Strecke. Bis nach Cottbus fuhr ein gerammelt voller Doppelstock Zug. Über eine Stunde Papiertüten Geraschel und Kindergeschrei. Von Cottbus aus ging es dann mit einem Schienenbus weiter nach Görlitz. Vorbei an verfallenen Häusern und Industriebrachen. Ein wahrhaftig deprimierender Anblick. Spannende Zwischenhalte wie Weißwasser oder Horka förderten die geografische Bildung. Entlang der Strecke waren alle Haltestellen auch in Obersorbisch, eine anerkannte Minderheitensprache in Deutschland, ausgeschrieben. Mit einer Fahrzeit von 2:40 Stunden für gerade einmal 200 Kilometer war es eine lange Reise. Der Bahnhof Görlitz überraschte durch seine Größe. Bei einer Stadt mit 55.000 Einwohnern hätte ich das nicht unbedingt erwartet. Auch dass die Stadt über eine Straßenbahn verfügt, hat mich etwas verwundert. Auf dem Weg in die Altstadt ging es vorbei an prunkvoll sanierte Bauten aus der Gründerzeit. Zwischen all den restaurierten Gebäuden befinden sich immer wieder Stilbrüche in Form von unsanierten und vernagelten Häusern. Anhand dieses Zustands ist das Aussehen von Görlitz kurz nach der Wende gut nachvollziehbar. Um erstaunlicher ist es zu sehen, was sich in den letzten 25 Jahren in Görlitz alles zum Positiven verändert hat. Leider konnte sich bis heute nicht für alle sanierungsbedürftigen Objekte ein Investor finden. Der Zerfall geht an einigen Stellen ungebremst weiter. Auf den Weg in die Altstadt ändert sich auch die Architektur. Von Gründerjahr zu Barock bis hin zum Mittelalter. In Görlitz reiht sich ein architektonisches Highlight an das Nächste. Eine Mischung aus Prag, Breslau und Krakau. Um sich allem intensiv zu widmen werden Tage benötigt, so groß ist die Auswahl an Sehenswertes. Gemessen an der Einwohnerzahl wirkt die Stadt deutlich größer. Sie lässt sich zwar gut zu Fuß erkunden, zieht sich aber dennoch mehr als erwartet. Viele Touristen waren an diesem Herbsttag nicht zu sehen. Die meistens Besucher kamen wohl aus dem benachbarten Polen. Viele Restaurants und Gaststätten auf der westlichen Seite der Neiße waren gänzlich in polnischer Hand oder hatten polnisches Personal. Auch Görlitz hat seit der Wende mit dauerhafter Abwanderung zu kämpfen. So verlor die Stadt seit der Wende über 22.000 Einwohner durch die prekäre wirtschaftliche Lage und den damit verbundenen Geburtenrückgang. Die strukturschwache Lausitz wird auch in Zukunft Ursache weiterer Abwanderung der Bevölkerung sein. Allenfalls der Tourismus boomt. Bei den ausländischen Gästen ist die Stadt Görlitz aber noch relativ unbekannt.

Obermarkt und Untermarkt bilden das historische Zentrum der Stadt. Ganz in der Nähe der Nikolaizwinger und die St. Peter und Paul Kirche. Hinter der Kirche geht es bergab zur Altstadtbrücke. Diese wurde 2004 als reine Fußgängerbrücke eröffnet und verbindet den westlichen Teil Görlitz mit dem östlichen Teil, der heute zu Polen gehört und den Namen Zgorzelec trägt. Viele Tagesbesucher gehen hier von Ost nach West und umgekehrt. Die deutschen Besucher nutzen dabei gerne die Gelegenheit zum preiswerten Einkauf von Zigaretten oder Alkohol. Durch die gesamte Altstadt ziehen sich Hotels, Cafés und Restaurants. Von Touristenmassen überschwemmt ist Görlitz aber nicht. Außerhalb der Altstadt gibt es auch noch viel zu entdecken. So schmücken etliche Seitenstraßen frisch renovierte Altbauten. Ein planloses schlendern durch die Straßen ist absolut sehenswert. Hin und wieder sind auch noch Überreste eines lange untergegangenen Staates zu erkennen. So erinnert an der Uferstraße das alte VEB Kondensatorenwerk noch eindrucksvoll an diese Zeit. Weitere Industrieruinen befinden sich über die gesamte Stadt verstreut. Auch außerhalb des Zentrums von Görlitz bieten sich genug Unternehmungsmöglichkeiten (Tierpark, Weinberghaus Neißeviadukt u.v.m.). Die Landskron Brau-Manufaktur bietet an mehreren Tagen in der Woche unterschiedliche Führungen durch ein imposantes Industriedenkmal an. Und wer Glück hat, kann eventuell einen Film Dreh miterleben. Die Stadt Görlitz ist ein beliebter Produktionsort der Filmindustrie.

Fazit: Um Görlitz zu entdecken sollte genug Zeit investiert werden. Ein Tagesbesuch reicht für die Stadt mit dem enormen Aufkommen an Sehenswürdigkeiten nicht aus. Görlitz verzeichnet derzeit ein steigendes Besucheraufkommen, ist aber vom Massentourismus anderer Städte noch sehr weit weg. Die vom Krieg unzerstörte Stadt bietet Architektur durch unterschiedliche Zeitepochen und gibt einen Überblick, wie viele deutsche Städte vor dem Krieg einmal ausgesehen haben müssen. Das Ganze kann auch noch bequem mit einer Einkaufstour in Polen kombiniert werden. Görlitz ist definitiv eine Reise wert auch wenn die Stadt ab 22 Uhr wie ausgestorben wirkt.

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