Ein Stück Bildung zur deutschen Einheit

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Auch wenn dieser 20. Jahrestag zur deutschen Einheit mal wieder recht arbeitgeberfreundlich gefallen ist, so konnte der Tag bei herbstlichem Sonnenwetter für eine kleine Bildungsreise in Sachen Deutsche Einheit genutzt werden. Wo war eigentlich die Mauer? Auch Berlin-Wedding grenzte direkt an der ehemaligen DDR. Mauer und Grenzübergänge sind heute verschwunden. Alles, was an die deutsche Teilung erinnerte, sollte nach der Wende einfach nur schnell verschwinden. Im Nachhinein war dies natürlich ein Fehler. Die Übergänge in den Osten der Stadt sind in Berlin-Wedding heute auch optisch fließend, sodass es immer schwieriger wird, die Stellen zu finden, die mit Mauer, Stacheldraht und Selbstschussanlagen ausgestattet waren. Wenn es plötzlich unpassende leere Flächen in einer bebauten Umgebung gibt, ist dies meistens ein Anzeichen von Überresten der ehemaligen Grenze. Schon immer habe ich mich über die große Lücke an der Ecke Chausseestraße/Liesenstraße gewundert, wo es zwischen Häusern einfach plötzlich nur Wildwuchs gab. Hier lag die Vermutung eines ehemaligen Todesstreifens bzw. Grenzübergang nahe. Grund genug, sich das Gelände einmal näher anzuschauen. Und tatsächlich, auch wenn auf dem Gelände mittlerweile eine Tankstelle steht, am angrenzenden Friedhof ist noch ein gut erhaltenes Stück einer Hinterlandmauer zu erkennen. Beim Betreten des Friedhofs fallen sofort die großen Grünflächen auf. Erst ca. 50 Meter weiter hinten fangen vereinzelte Grabreihen an. Nicht mehr vorzustellen das sich auf den Grünflächen einmal der Todesstreifen befand. Hier wurde beim Mauerbau einfach ein Teil des Friedhofes platt gemacht. Auch in der Mitte des St.-Hedwig-Friedhofs befindet sich noch ein weiteres Stück Hinterland Mauer. Das was von dem St.-Hedwig-Friedhof übriggeblieben ist, ist wirklich einzigartig. Teilweise sind die Grabsteine in die angrenzenden Häuser eingelassen. Auch etwas, was es nicht oft zu sehen gibt. Am Ende der Liesenstraße, kurz vor der teils verfallenen alten Liesenbrücke, ist noch einmal ein kurzes Stück der vorderen Mauer zu sehen. Ein größerer Teil des Todesstreifens und der ehemaligen Grenzanlagen ist dann quasi um die Ecke zu bewundern. Entlang der Gartenstraße bilden die alten Friedhofsmauern die ehemalige Grenze. Über eine Rampe ist der Zutritt auf das Gelände, auf dem sich in 20 Jahren die Natur mittlerweile wieder einen großen Teil zurückerobert hat, möglich. Auf den ehemaligen Todesstreifen, der sich bis zum Nordbahnhof hinzieht, gibt es nun Beachvolleyballfelder und Spielplätze. Doch an der Schwarzkopfstraße, kurz nach dem Eingang, da finden sich noch zugewachsen Mauerreste mit Schranken. Gegenüber von einem neuen Wohnkomplex. Ein etwas komischer Anblick. Aber sicherlich werden auch diese verwilderten Reste bald dem Baukran zum Opfer fallen.

Fazit: Es ist immer noch spannend auf die Suche nach einer vergangenen Zeit zu gehen, an den man sich selbst noch zu gut erinnern kann. Doch mit der Zeit wird es immer weniger zu entdecken geben, in diesem Punkt sollte sich jeder Geschichtsinteressierte beeilen.

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Hendrik Lorenz

*1970 in Braunschweig.
Technischer Redakteur, Offsetdrucker und professionelles Arschloch.

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