Reisebericht Nürnberg 2011

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Um dem Sylvester Wahn der Hauptstadt zu entfliehen, gibt es sicherlich eine Menge Alternativen. Die Auswahl schrumpft allerdings, wenn sich um die Sache zu spät gekümmert wird. Beliebte Ziele, wie zum Beispiel die Region Harz, waren Ende Oktober schon hoffnungslos ausgebucht. Auch weitere Ziele waren dann schon nicht mehr für einen bezahlbaren Preis zu erwerben. Am Ende gab es nur noch ein Ziel wirklich günstig: Nürnberg.

Nürnberg, war da nicht mal was? Genau vor 20 Jahren war der letzte Besuch im Frankenland. Die Erinnerungen quasi verblasst. Ein guter Grund diese wieder aufzufrischen. Mit Air Berlin ging es von Berlin-Tegel in 45 Minuten nach Bayern. Vielleicht auch etwas mit Wehmut, denn es wird für mich wohl das letzte Flug von Berlin-Tegel gewesen sein. Vorbei sind bald die bequemen Zeiten. Statt 20 Minuten müssen ab Juni über eine Stunde Fahrzeit zum Flughafen kalkuliert werden – BER sei Dank.

In Nürnberg ging dann alles relativ schnell. Kein Wunder bei der Größe des Flughafens wäre es schon relativ komisch, die Orientierung zu verlieren. Mit der U2, die direkt am Flughafen ihren Endhaltepunkt hat, ging es in nur 12 Minuten zum Hauptbahnhof Nürnberg. Dies war wirklich bequem. Die Zeitersparnis gegenüber anderen Städten enorm. Sehr überraschend, dass Nürnberg über eine richtige U-Bahn verfügt und nicht wie andere Städte in der Größe, über eine Straßenbahn die nur im Tunnel fährt. Auch eine Besonderheit in Nürnberg: Die U-Bahn fährt führerlos! Alles bei der VAG wirkt neu und sauber. Auch die Preise stimmen. Wird das Tagesticket Solo an einem Samstag gelöst, gilt der Fahrschein auch für den darauffolgenden Sonntag. Der ganze Spaß kostet nur 4,20 Euro. Günstiger geht’s kaum in anderen Städten. Auch die Hotelpreise sind in Nürnberg überraschend preiswert. Doppelzimmer mit Frühstück 69 Euro direkt in der Altstadt – da kann niemand meckern.

Das Wetter kann leider niemand beeinflussen. Schneeregen und Dunkelheit gleich am Sylvester Tag. Ungünstige Bedingungen zum Fotografieren und für längere Unternehmungen. Durch den winterlich bedingten kurzen Tag musste die Zeit also gut genutzt werden. Die Altstadt von Nürnberg oder sagen wir das, was die anglo-amerikanischen Bomber übrig gelassen haben, war schnell abgelaufen. Leider war die Kaiserburg am Sylvester Tag nicht zugänglich. Bei dem schlechten Wetter verirrten sich zum Glück nicht so viele Touristen in die Altstadt. In den Sommertagen muss es in Nürnberg mit den Touristen genauso schlimm sein wie in München.

Statt einer schlechten Party gab es am Abend in Nürnberg nur ein Sylvester Menü im Herrenkeller. Das 3-Gänge Menü war recht übersichtlich. Für meinen Geschmack hätte es etwas deftiger sein können. Geschmeckt hat es auf jeden Fall. Der Jahresübergang wurde – wie passend – an der Lorenzkirche gefeiert. Hier war es zumindest nicht so voll und dementsprechend recht erträglich. Statt großer Sause also ein bescheidener Jahresübergang.

Am Neujahrstag war das Wetter leider nicht viel besser. Weiterhin lag die Stadt Nürnberg unter einem grauen Schleier. Auf dem Programm stand nun das Reichsparteitagsgelände. Leider gab es auf dem großen Gelände so viel zu sehen und auch zu laufen, das einige Punkte auf dem Reichparteitagsgelände aufgrund fortschreitender Dunkelheit und Hungers ausfallen mussten. Nachgeholt werden müssen das große Zeppelinfeld, Märzfeld und der dazugehörige alte S-Bahnhof. Insgesamt war das Reichsparteitagsgelände aber wirklich beeindruckend, auch wenn außer der Kongresshalle nicht mehr wirklich viel vorhanden ist. Schon erstaunlich, was die damaligen Machthaber für irrwitzige Pläne auf dem Gelände hatten. Nach einem Besuch im Löwenbräu ging es dann wieder zum Flughafen Nürnberg. Ab nach Hause - kurz und schmerzlos.

Fazit: Auch für 1,5 Tage lohnt sich ein Besuch in Nürnberg. Durch die gute Anbindung an die Stadt und die gute Infrastruktur kann in kurzer Zeit viel unternommen werden. Im Sommer ist durch die längeren Tage natürlich mehr zu unternehmen. Nürnberg besticht durch seine Architektur, dem guten Essen und auch durch die Spuren der jüngsten Vergangenheit.

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Hendrik Lorenz

*1970 in Braunschweig.
Technischer Redakteur, Offsetdrucker und professionelles Arschloch.

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Joomla Artikel vor 3 Monaten
Machen kann man immer viel, nur muss man dazu auch seine Komfortzone verlassen und auch Gegenwind ve...
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Das ist doch schrecklich.kann man da garnichts machen.ich gucke direkt auf das hotel und möchte mir ...
Joomla Artikel vor 3 Monaten
Bernhard posted a comment in Gefangen im eigenen Land
Zum Thema Übersterblichkeit kann man sich hier selber ein Bild machen: https://www.destatis.de/DE/Th...
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Hendrik Lorenz posted a comment in Gefangen im eigenen Land
Ich kann mich an den Kommentar erinnern. Dieser ist wohl leider der Reinigung der letzten Spam-Attac...
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