Vernagelt und verfallen - Das Olympische Dorf von 1936

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Schon vor 15 Jahren hat mich dieses Relikt aus der Vergangenheit fasziniert. Doch irgendwie habe ich es nie bis ins Olympische Dorf von 1936, vor den Toren Berlins, geschafft. Die Athleten von 1936 konnten einen schon etwas leidtun. Nicht wegen der Anlage in der sie residierten, sondern eher wegen der Lage. Immerhin befand sich das Olympische Dorf von 1936 ein ganzes Stück vom Olympiastadion entfernt. Zur damaligen Zeit sicherlich noch mit mehr Umständen zu erreichen als heute. Für einen obligatorischen Euro ist es heute möglich, das große Gelände zu besichtigen. Für alle Hobbyfotografen wird es aber etwas teurer. Eine Dreh- und Fotogenehmigung kostet 10 Euro. Das Geld wird zum Erhalt des Olympische Dorf von 1936 eingesetzt.

Das Gelände des Olympischen Dorfes von 1936 ist so groß, das es schon einen ganzen Nachmittag kostet um es zu erkunden. Es ist bei dem starken Verfall nicht einfach sich vorzustellen, wie es denn mal zur Neueröffnung ausgesehen haben mag. Nur noch die Turnhalle und das Schwimmbad sind auf dem Gelände in einen halbwegs guten Zustand. Am Schwimmbad wurde nach einer Brandstiftung 1993 einiges erneuert. Es kann aber wohl nie wieder als Schwimmbad benutzt werden.

Die meisten Gebäude sind nicht begehbar und mit Brettern vernagelt. Es ist traurig zu sehen, wie der komplette Verfall nicht mehr aufzuhalten ist. Sehr Imposant ist die Architektur vom Haus der Nationen, der ehemalige Speisesaal für die Athleten. Leider ist dieses schöne Gebäude auch sehr stark zerfallen und damit nur noch ein Schatten seiner selbst. Es würde sicherlich etliche Millionen verschlingen, um dieses Haus wieder in dem Zustand von 1936 zu versetzen. Das Haus der Nationen wurde nach dem Olympischen Spielen als Lazarett benutzt. Diese Funktion wurde beim Bau schon berücksichtigt.

Das Hindenburghaus am Rand des Olympischen Dorfes von 1936, befindet sich scheinbar auch noch in einen recht guten Zustand. In diesem Bauwerk befand sich schon in den 30er Jahren ein Fernsehraum, in dem die ersten TV Live-Übertragungen erprobt wurden. Ferner gab es in dem Haus noch einen Festsaal und Trainingsräume. Heute wirkt das verschlossene Gebäude von außen wie im Dornröschenschlaf.
Grundsätzlich ist das Betreten der Ruinen auf dem Gelände nicht erlaubt. Stark kontrolliert wird das aber nicht. Bei den Führungen ist es wohl offiziell möglich, einige Gebäude von innen zu sehen. Eine der vielen Sportlerunterkünfte wurde als Beispiel wieder aufgebaut und dient heute auch als Jesse Owens Ausstellung. Dieses Haus ist geöffnet, die Turnhalle mit vielen Relikten aus der Zeit leider nicht.
Beim Gang über das Territorium gab es leider nirgends eine Geländekarte zur Orientierung. Dies wäre sehr hilfreich gewesen. Die sowjetische Besatzungsmacht platzierte direkt auf dem Gelände nach dem Krieg viele Plattenbauten in denen die Soldaten untergebracht waren. Heute sind auch diese Bauten verfallen.

Fazit: Das ehemalige Olympische Dorf von 1936 ist definitiv einen Besuch wert, auch wenn es fast nur Ruinen zu besichtigen gibt. Der Ort besitzt eine spannende Ausstrahlung.

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Hendrik Lorenz

*1970 in Braunschweig.
Technischer Redakteur, Offsetdrucker und professionelles Arschloch.

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