29 Jahre ADAC-Mitgliedschaft - Ein Fazit

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ADAC Pannenservice

Es passierte auf der A27, an einem nasskalten Dezember Tag im Jahre 1989. Ich fuhr auf der A27 mit meinem alten C-Kadett Richtung Bremen. Dann passierte es: Der Wagen fing an zu ruckeln, wurde langsamer und fuhr am Ende gar nicht mehr. Nachdem das Auto auf dem Standstreifen zum Stillstand kam, war die Begeisterung aller Mitreisenden nicht allzu hoch. Ging doch die Veranstaltung in ein paar Stunden in Bremer Schlachthof los. Was nun? Meine erste Panne mit meinem zweiten Auto. Ende der 1980-er Jahre gab es natürlich noch keine Handys, also musste jemand zu einen der nächsten Notrufsäulen laufen und einen Pannendienst rufen. Dieser kam relativ flott in Person des ADAC. Mitglied war ich damals noch nicht, aber das Gute beim ADAC bis heute ist: Wirst du Vorort Mitglied, brauchst du den Pannendienst auch nicht zu bezahlen und die Kosten für eine einfache ADAC-Mitgliedschaft war auch für einen Auszubildenden erschwinglich. Der Wagen war schnell wieder repariert und wir konnten die Fahrt fortsetzen, erreichten die Veranstaltung in Bremen auch noch pünktlich. Das ist nun 29 Jahre her. In dieser Zeit hatte ich noch Dutzende Pannen und ich erweiterte meine Mitgliedschaft mit dem Schutzbrief, dessen Kosten ich eigentlich fast jedes Jahr wieder heraus hatte. In 90 % der Pannen konnte mir geholfen werden, 3-mal musste ich abgeschleppt werden, wobei sich in zwei Fällen später in der Werkstatt herausstellte, das dies nicht notwendig gewesen wäre. Jedes Mal war daran nicht der ADAC selbst mit seinen Mechanikern, sondern Subunternehmen beteiligt, die aussahen wie der ADAC aber letztendlich nur "im Auftrag" handelten. Diese kamen immer gleich mit einem Abschleppwagen und waren offensichtlich auch sehr daran interessiert, den Wagen gleich abzuschleppen, statt zu versuchen, die Panne zu beheben. Das erste Mal kam einer dieser Sub-Unternehmen zu mir, als ich in Berlin Grunewald mit meinem Lancia Y10 liegen geblieben sind. Plötzlich Motor aus, nichts ging mehr. Diagnose: Steuerkette gerissen. Der Wagen wurde zurück nach Braunschweig geschleppt. In der Werkstatt stellte sich heraus, dass nur ein Kabel ab war. Im zweiten Fall war ich mit einem Oldtimer-Motorrad auf der A2 Richtung Berlin unterwegs, wo irgendwann hinter Magdeburg Feierabend war. Erneut kam gleich ein Abschleppwagen und die einzige Hilfe, die dieser "Mechaniker" leistete, war 5 Liter Benzin in einem Tank zu füllen. Diese durfte ich dann auch noch bezahlen. Das Krad wurde zurück nach Braunschweig geschleppt. Auch hier stellte sich heraus, dass es sich bei dem Defekt um eine Kleinigkeit gehandelt hat, die hätte durchaus schnell Vorort erledigt werden können. Ansonsten konnte mir immer geholfen werden und ich war glücklich, dass ich weiterfahren konnte. Leider hat der Service und die Qualität beim ADAC sich Anfang der 2010-Jahre deutlich verschlechtert. Auch in den anderen Versicherungen, die der ADAC Angeboten hat, war bald kein finanzieller Vorteil für Mitglieder zu erkennen. Es folgten etliche Skandale, unter anderem der Manipulationsskandal bei der Vergabe des "Gelben Engel". Darüber hinaus boten mittlerweile andere Versicherungen gleichwertigen Service für weniger Geld an. 2018 kündigte ich meine Mitgliedschaft beim ADAC nach 29 Jahren Mitgliedschaft, da ich einfach beschlossen habe, kein KFZ mehr haben zu wollen. Gute Unternehmen haben eine Kundenrückgewinnungsabteilung, die besonders dann nachhaken, wenn ein Kunde nach fast 30 Jahren kündigt. Dem ADAC war das scheißegal. Offensichtlich scheint der Verein in Geld zu schwimmen.

Fazit: Ich kann den ADAC guten Gewissens weiter empfehlen, denn die Erfahrungen mit dem Automobilklub waren vorwiegend gut. Das Monopol dieses Klubs ist allerdings nicht mehr der Gleiche wie in den 1980er-Jahren. Jeder sollte sich vor Abschluss einer Mitgliedschaft beim ADAC nach Alternativen erkundigen. Es gibt mittlerweile preisgünstigere und bessere Lösungen für einen reinen Pannenservice.

Hendrik Lorenz

*1970 in Braunschweig.
Technischer Redakteur, Offsetdrucker und professionelles Arschloch.

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Kommentare

Mansour gefällt ein Kommentar bei Kotte & Zeller - Eine unendliche Bestellung
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Das ist doch schrecklich.kann man da garnichts machen.ich gucke direkt auf das hotel und möchte mir ...
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