Berlin Krass Teil 2: Das Märkische Viertel

    Hoch im Norden der Hauptstadt schießen plötzlich Betonklötze in den Himmel. Durch die relativ kleinstädtische und flache Bebauung ringsherum sticht diese Architektur sofort ins Auge. In den Jahren 1963 bis 1974 wurde die Großwohnsiedlung wegen des akuten Wohnungsmangels in Berlin an der Mauergrenze zum Ortsteil Rosenthal errichtet. An dessen Entstehung waren 35 unterschiedliche Architekten beteiligt. Um möglichst eine bunte Mischung an Menschen als Mieter anzulocken, wurden auf einigen Gebäuden sogar Atelierwohnungen errichtet. Entstanden sind in der Bauzeit Wohnhäuser unterschiedlichster Stile und Bauhöhen. Damit sollte versucht werden, die Betonwüste nicht allzu trist erscheinen zu lassen. Doch nicht alle Gebäude lassen sich als eine architektonische Meisterleistung bezeichnen. In den 1970er-Jahren war das Märkische Viertel eine begehrte Wohngegend. Mit den Jahren änderte sich das Image der Trabantenstadt aber. Spätestens als der Rapper „Sido“ mit seinem Song „Mein Block“ das Märkische Viertel als Getto präsentierte, dessen Bewohner vorwiegend aus Dealern, Junkies, Prostituierten und Alkoholikern bestehen (Es leben 117 verschiedene Nationen im Märkischen Viertel, Ausländerquote 50%+), hatte die Stadtrandsiedlung in ganz Deutschland ihren Ruf weg. In den letzten Jahren wurde im Märkischen Viertel seitens der Wohnungsbaugesellschaft viel getan. Sämtliche Wohnungen wurden energetisch saniert und Außenanlagen neu gestaltet oder umgebaut. Aus dem Märkischen Zentrum, eine in die Jahre gekommene Einkaufsmeile, wird in das Märkisches Quartier umgebaut. Ein großes Manko bleibt aber: die mangelhafte Infrastruktur. Während andere Großbausiedlungen in Berlin, wie zum Beispiel Gropiusstadt im Süden der Stadt, über einen eigenen U-Bahnanschluss verfügen, geht das 40.000 Einwohner Märkische Viertel bis heute leer aus. Die 30 Jahre langen Versprechungen aus der Politik, die U8 in das Märkische Viertel zu verlängern, blieben reine Wahlkampfpropaganda ohne anschließende Taten. So müssen auch die nächsten Jahre die Einwohner des Märkischen Viertels von der S- und U-Bahnstation Wittenau in überfüllten Bussen zu ihren Wohneinheiten gekarrt werden. Doch neben der erdrückenden Architektur der Neuzeit bietet das Märkische Viertel auch viel Grün. So verläuft der Mauerweg am östlichen Rand der Siedlung und führt vorbei an den Lübarser Feldern und den Tegeler Fließ. Immerhin wird die Reise in das Berliner Umland für die Einwohner des Märkischen Viertels ab 2023 erleichtert. Bis dahin soll die Heidekrautbahn reaktiviert werden, die dann eine Haltestelle am Übergang nach Rosenthal bekommt.

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    Hendrik Lorenz

    *1970 in Braunschweig.
    Technischer Redakteur, Offsetdrucker und professionelles Arschloch.

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    Mansour hat den Artikel Kotte & Zeller - Eine unendliche Bestellung kommentiert
    Interessant ist, dass dieser Bericht bereits 10 Jahre her ist, und an der Informationspolitik hat si...
    Joomla Artikel vor 1 Tag
    Ich war letzte Woche, Anfang Juni, dort Übernachten. Ziemlich unruhig dort. Kann man nur am WE besuc...
    Joomla Artikel vor 5 Monaten
    Machen kann man immer viel, nur muss man dazu auch seine Komfortzone verlassen und auch Gegenwind ve...
    Joomla Artikel vor 6 Monaten
    Das ist doch schrecklich.kann man da garnichts machen.ich gucke direkt auf das hotel und möchte mir ...
    Joomla Artikel vor 6 Monaten
    Bernhard hat den Artikel Gefangen im eigenen Land kommentiert
    Zum Thema Übersterblichkeit kann man sich hier selber ein Bild machen: https://www.destatis.de/DE/Th...
    Joomla Artikel vor 9 Monaten

    Kenia

    Natur, Tiere und Strand.

    Der afrikanische Kontinent besitzt viele Länder mit den unterschiedlichsten Kulturen und der faszinierendsten Flora und Fauna. Jedoch sind nicht alle Länder so einfach touristisch zu erkunden wie Kenia.

    Goslar

    Wo die Welt noch in Ordnung ist.

    Wer im Braunschweiger Raum aufgewachsen ist, dem dürfte die Gegend um die mittelalterliche Stadt Goslar wohl bekannt sein. Zu DDR-Zeiten war der Westharz, der sich direkt hinter der Kaiserpfalzstadt emporhebt, immer eine beliebte Anlaufstelle. Nach der Wende brach der Tourismus ein und nimmt nun wieder langsam Fahrt auf.

    Mauritius

    Insel der vielen Enttäuschungen.

    Wer von der Insel Mauritius hört, denkt zuerst an kilometerweite weiße Sandstrände, Palmen und exotische Tiere. Einige Dinge treffen sogar zu, aber viele Dinge sind in Wahrheit doch völlig anders. Mauritius ist vor allen Dingen immer noch eines: Afrika.

    Unternehmungen

    • Devils Town

      Wenn die Städte Serbiens noch ein wenig trist und Post-Kommunistisch anmuten, so ändert sich das sofort, nachdem die Stadtgrenze erreicht ist und die Provinz begint. Eine komplett unberührte, unerschlossene und faszinierende Natur.

    • Lake Naivasha

      Touristenfrei, ich bin dabei. Weit weg vom du-ich-ficki Trubel an der Küste ist ein schöner See zu finden. Mitten in der Pampa tummeln sich Marabu, Pelikane, Ibisse und natürlich Flusspferde.

    • Kurische Nehrung

      Die fast 100 Kilometer lange Halbinsel teilen sich Russland und Litauen. Vieles erinnert an eine Nordseeinsel und vieles erinnert auch an die deutsche Vergangenheit dieses Ostsee Archipel.

    • Shimba Hills

      Nicht zu vergleichen mit einen der vielen Nationalparks, das Naturschutzgebiet Schimba Hills hat aber trotzdem viel zu bieten.

    • Der Invalidenfriedhof

      Der Invalidenfriedhof in Berlin befindet sich mitten in der Stadt am Mauerweg. Beim Durchqueren wissen die meisten gar nicht, das sie am Grab eines der größten Kriegsverbrecher vorbeilaufen.

    • Brooklyn Brewery

      Eine der 4000 aktiven Brauereien in den USA ist die Brooklyn Brewery in Williamsburg. Das Unternehmen bietet eine gute Brauereiführung an, die aber ein wenig zu sehr auf die Kohle der Besucher abzielt.

      Kuba

      Karibischer Kommunismus.

      Seit den 1960er-Jahren hat sich nicht viel auf der Insel Kuba geändert. Es geht nur stückweise voran. Immerhin gibt es Ende der 2010er-Jahren schon Internet, wenn auch nur auf Zeit begrenzt.

      Dominikanische Republik

      Der karibische Traum.

      Die Dominikanische Republik hat nicht den besten Ruf, gilt sie doch eher als Part- und ficki-ficki Hochburg betagter älterer weißer Herren. Doch die Halbinsel Samana wird diesen Ruf nicht gerecht.

      Russland

      Der letzte Abenteuerurlaub.

      Russland ist für viele auch heute noch keine Reise wert. Ich wagte den Schritt und tauchte ein in eine wunderbare Welt mit super Menschen.

      Städtereisen

      • New York City

        Mit dem Glück des Glücklichen noch schnell mit einen Direktflug von Berlin nach New York City - Kurz danach war AirBerlin pleite. Die Stadt, die einen an jeder Ecke an einem Film erinnert. Es lohnt sich.

      • Riga/Kuldiga

        Der baltische Staat ist heute schon lange kein Geheimtipp mehr. Allerdings ist Tourismus ausschließlich auf Riga konzentriert. Interessant wird es aber erst außerhalb der Metropolen Lettlands.

      • Prag

        Seit 30 Jahren erlebt die Stadt Prag jetzt einen ungebrochenen Touristenansturm aus aller Welt. Wird die richtige Jahreszeit gewählt, lässt sich die Stadt aber sehr entspannt erkunden.

      • Bukarest

        Die siebtgrößte Stadt der Europäischen Union ist Bukarest. Die Stadt im südlichen Rumänien besticht durch seine postkommunistische Architektur und seinen noch günstigen Lebenskosten.

      • Niš

        Im südlichen Serbien, quasi zwischen Sofia und dem Kosovo, liegt die Stadt Niš. Trotzdem die meisten noch nie etwas von dieser Stadt gehört haben, hat sie besonders im Umfeld sehr viel zu bieten.

      • Krakau

        Eine der interessantesten Städte Polens ist Krakau. Tief im Osten hat die Stadt sehr viel Geschichte zu bieten. Auf den Spuren von Oskar Schindler.