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4 von 5 - 11 Bewertungen
Vielen Dank für die Bewertung dieses Beitrags.

Ich war mal wieder ein wenig im Weserbergland unterwegs. Dieses Mal kam Neuhaus im Solling unter die Lupe. Von einigen Leuten wurde mir dieses Dorf als attraktiver Luftkurort empfohlen. Also mal hochfahren, der Sache und den damit verbundenen Aussagen auf den Grund gehen. Der Smart TDI mit 35 PS kam auf der Strecke schon etwas ins Schwitzen. Auch wenn die Steigung optisch kaum bemerkbar war, ging im letzten Gang teilweise gar nichts mehr. Auch der Druck auf den Ohren verriet: Hier geht es bergauf. Die Strecke, mit gerade mal 11 Kilometern von Holzminden aus kamen einen vor wie gefühlte 30 Kilometer. Doch dann war Neuhaus im Solling erreicht. Auto abstellen und mal schauen was auf der "Promenade" so geht. Gesehen habe ich in meinem knapp einstündigen Aufenthalt eigentlich niemanden. Abgesehen von der Oma mit dem Rollator (fahrbare Gehhilfe), die wahrscheinlich gerade dem ansässigen Altenheim (dem wahrscheinlich einzig modernen Gebäude in dieser gottverdammten Gegend) unerkannt entwischt ist. Ich stellte mir Neuhaus im Solling irgendwie anders vor. Eigentlich so, wie in vielen Reiseführern und auf vielen Webseiten beschrieben. Ich dachte an viele Wanderer, an Mountainbiker oder an belebte Gaststätten. Doch was ich sah war eben nur die Rollator-Oma. Ach ja, nicht zu vergessen die anderen gebrechlichen und grauen Gestalten, die dem natürlichen Tode schon ziemlich nahe waren und hin und wieder die Straße überquerten. Auf 1000 Meter Länge war es ansonsten die größte Ansammlung von geschlossenen Wirtschaften die ich je gesehen habe. Da kann vom Aufkommen her noch nicht einmal die übelste Straße in Berlin-Wedding mithalten. Leere Geschäfte und viele Häuser mit "zu vermieten" oder "zu verkaufen" Schilder in den Fenstern. Ich glaube hier können auch Immobilien verschenken werden und niemand will sie haben. Auch für das "Gast- und Pensionshaus Solling" scheint sich kein Käufer zu finden. Warum eigentlich nicht? So wie es ausschaut, dürfte diese Einrichtung schon als "Retro" wieder voll im Trend liegen. Eine originale Schänke im Stil der 70er Jahre, mit vergilbten Gardinen und braunen, ranzigen Inventar. Nicht zu vergessen das Rotwild Geweih an der vertäfelten Holzwand. Das schmeckt das Bier aus schmierigen Gläsern und auf verklebten Holzstühlen mit Herzchen Ausstanzung sicherlich doppelt so gut. Hier muss sich der Gast den Wohlfühlfaktor erst ansaufen. Das ideale Geschäftsmodell. Im "Braunen Hirschen" gibt es derzeit nur noch geschlossene Gesellschaft. Hier können Partywütige unerkannt mal so richtig die Wildsau rauslassen bevor dies deftig gewürzt auf dem Teller landet. Auch das "Hotel zur Linde" hat versucht mit der Zeit zu gehen und sich mit Plakaten als "Biker-Treff" (zumindest inoffiziell) einen Namen gemacht. Zu sehen ist allerdings kein einziges Motorrad sondern nur ein geöffnetes Fenster aus dem eine Gardine weht. Ein paar Meter weiter hat ganz offensichtlich auch das "Hotel-Cafe Wildenkiel" unter Kundenmangel zu leiden. Hier ist es selbst dem Verkäufer zu peinlich seine Identität preiszugeben. Ausgehängt ist nur eine Telefonnummer für Interessenten. Sehenswert ist auch noch der "blau-gelb Frischmarkt" der auch geöffnet aussieht als sei er geschlossen. Frisch kann ich mir hier gar nichts vorstellen. Eher ranzig. Trotzdem - im Design der 80er Jahre ein echter Hingucker und sicherlich einen Besuch wert. Nach ungefähr einer Stunde stoppte ich meinen Rundgang in Neuhaus im Solling aufgrund plötzlich auftretender Depressionen.

Fazit: Eigentlich habe ich nie gedacht, dass die Zustände im Westharz (siehe Bericht) einen anderen Ort in Niedersachsen toppen kann. Mit dem Besuch in Neuhaus im Solling wurde ich eines besseren belehrt. Wenn ich hier nur zwei Tage zubringen würde, könnte man mich am nächsten Tag vom Seil schneiden. Düster und trostlos. Wer seine Depressionen pflegen möchte ist hier genau richtig.

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Kommentare (3)

  • Gast - Lars Bewersdorff

    Wie wahr....

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  • Gast - Gerhard Althoff

    In der Tat ist hier die Zeit stehen geblieben.Das macht die Gegend aber unheimlich liebenswert.Die Natur ist noch intakt und wunderschön.Nichts ist kommerzialisiert.

    kurze URL:
  • Gast - Hellmuth Kempf

    Wie wahr! Bin in Neuhaus aufgewachsen und habe dort meine Jugend gelebt. Jawohl richtig gelebt.
    Es ist traurig aber der Bericht trifft den Nagel auf den Kopf. Und die tausend Meter nicht geschlossener Gaststaätten, Hotels
    und Kneipen waren wie die Heerscharen an Urlaubern und Touristen Wirklichkeit.
    Schade aber vorbei. Die hervorgerufenen Depressionen verstehe ich gut. Mir geht es nach ein paar Tagen Neuhaus auch so.

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Meine Heimat mein Verein.

Es gibt nicht viele Fußballclubs in Deutschland, die trotz ihren bescheiden sportlichen Leistung dennoch Kult-Status genießen. Kuriose Ereignisse reihen sich neben großen Erfolgen und bitteren Niederlagen. Deutscher Meister in der 1. Bundesliga, die erste Trikotwerbung im Sport, Jägermeister, der Fall Lutz Eigendorf, Abstieg trotz eines positiven Torverhältnisses, 5 Trainer in einer Saison und die beste Bratwurst der Liga....mach mit, lass Dich infizieren und werde auch Eintracht-Fan...der echten und einzigen Eintracht im Profi-Fußball. Klicky?

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