Reisebericht Kenia (2018) 2

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    Reisebericht KeniaEinfach mal den Wellen lauschen...

    Wir fliegen überall hin – so oder so ähnlich lautete einmal ein Slogan von Turkish Airlines. Und tatsächlich, sie fliegen sogar regelmäßig nach Nairobi oder Mombasa. Von Berlin aus gibt es nur wenige Angebote anderer Airlines nach Kenia und wenn, dann zu einem doch weit schlechteren Kurs. Und das Beste an der Sache: Durch die letzte Verspätung im vergangenen April gab es den Flug bei Turkish Airlines kostenlos. Einziger Wermutstropfen: die lange Wartezeit in Istanbul. Auch bei dieser Reise war bei dem Unternehmen leider keine Verbindung wirklich pünktlich. Wie auch beim letzten Mal wurden eifrig Kreise über Istanbul geflogen, da der Flughafen Atatürk komplett überlastet ist. Abhilfe soll der neue Flughafen „İstanbul Yeni Havalimanı“ bringen, der Ende Oktober eröffnen soll. Erdogans Prestige Objekt soll einmal der größte Flughafen der Welt werden und 200 Millionen Passagiere jährlich abfertigen. Wir werden sehen.

    Nachdem es beim letzten Mal in Mombasa am Flughafen so zügig voranging, war es in Nairobi leider das totale Gegenteil. Bis der letzte Passagier aus dem Flugzeug war, dauerte es schon fast eine Stunde. Dann noch lange bei der Passkontrolle in der Schlange stehen und anschließend ewig auf den Koffer warten, der sich irgendwo auf den vielen laufenden Bändern befand, dessen Fluganzeige nicht funktionierte. Auch beim Evisum war es anders als beim letzten Mal. Trotz des Evisums musste in Nairobi noch Zettel ausgefüllt werden, der den gleichen Inhalt hatte wie im elektronischen Visum. Was für ein Schwachsinn. Schlussendlich habe ich irgendwas draufgekritzelt kontrolliert hat das eh niemand. Bis ich dann endlich den Flughafen Nairobi verlassen konnte waren sage und schreibe 1:45 Minuten von der Uhr gerissen.

    In Nairobi um 4 Uhr in der Früh war es alles andere als warm. Knackige 17 Grad erwarteten mich. Für die Äquatornähe doch ganz schön wenig. Ende September aber auf 1668 Meter Höhe nichts Ungewöhnliches. Die Fahrt nach Thika dauerte mit dem Auto, trotz freier Straßen, die es tagsüber in und um Nairobi eher selten zu sehen gibt, noch ca. 1,5 Stunden. Das Ziel lag mitten in der Pampa, keine Touristen Luxusherberge, ein einfaches Haus mit angeschlossener Hühnerfarm. Nicht jedermanns Sache, für mich war es völlig okay. Von hier aus ließ sich prima die Umgebung erkunden. Viele interessante Dinge gibt es zu sehen, und das völlig touristenfrei. Thika Town an sich ist ein trostloses Pflaster. Es gleicht jeder anderen Stadt dieser Größe in diesem Land. Staub, Chaos und viele Menschen prägen das Stadtbild. Eine grüne Oase findet sich im Thika Park.

    Dort befinden sich die Chania Falls, ein Wasserfall, der sogar sauberes Wasser führt und in dem es möglich ist zu schwimmen oder zu angeln. Angeschlossen ist hier das schöne Blue Post Hotel. Hinter dem Hotel befindet sich ein weiter Park, in dem es möglich ist, Führungen durch den am Fluss befindlichen Busch zu machen. Einheimische Zahlen hierfür 100 KES, Gäste des Landes 300 KES. Die Führung am Fluss entlang dauert ca. 45 Minuten. Eine Investition, die sich lohnt. Zu sehen gibt es eine schöne und üppige Vegetation, freilaufende Pferde, Affen und mit Glück auch an der Flussgabelung Nilpferde. An den Chania Falls lässt es sich gut einen ganzen Tag aushalten. Wer hier vorbeikommt, sollte nicht verpassen einen Stopp einzulegen.

    Die Gegend um Thika ist nicht sonderlich mit Highlights geprägt. Eine weitere vielleicht lohnenswerte natürliche Sehenswürdigkeit sind die Fourteen Falls, 20 Kilometer nördlich von Thika gelegen. Vielleicht deshalb, weil es darauf ankommt, wie sehr der Athi-Galana-River gerade verschmutzt ist. Siehe hier auch den Bericht Fourteen Falls.

    Unweit der Wasserfälle befindet sich der Mount Kilimambogo. Dieser 1445 Meter hohe Berg wird auch gerne von Einheimischen zum Wandern benutzt. Offiziell wird das Gebiet Ol Donyo Sabuk Nationalpark genannt. Tiere gibt es aber nicht zu sehen. Der ganze Spaß soll dann aber 2600 KES für Touristen kosten. Der totale Eintrittswahnsinn. Nur zum Wandern? Dieses Erlebnis habe ich mir dann nicht gegeben.

    60 Kilometer von Thika entfernt befindet sich der Nairobi Nationalpark. Eigentlich keine Entfernung, doch bei den chaotischen Verkehrsverhältnissen um und in Nairobi kann sich diese Strecke schon mal ziehen. Für die 60 Kilometer sollten schon mindestens 2 Stunden eingeplant werden. Einen detaillierten Bericht zum Nairobi Nationalpark könnt Ihr hier lesen.

    Eine weitere Ausflugsmöglichkeit von Thika aus ist der Nationalpark Abadare und quasi gleich daneben Lake Naivasha und der Nationalpark Hells Gate. Alle Ziele sind nur mit dem Auto zu erreichen und von Thika ungefähr 100 Km entfernt. Über den Hells Gate Nationalpark gibt es hier noch einen Bericht. Auch Lake Naivasha ist an dieser Stelle näher beschrieben.

    Nach einer Woche Aufenthalt in Thika ging es von Nairobi aus über die neu gebaute Eisenbahnstrecke nach Mombasa. Die Fahrt dauert mit dem Zug gut 4,5 Stunden und kostet in der Economy Klasse 1000 KES und in der 1. Klasse 3000 KES. Buchen lässt sich das Ticket bequem über das Internet. Das Ticket muss man sich allerdings vor Ort am Bahnhof ausdrucken. Der neue Terminus Nairobi wurde komischerweise nur nicht im Zentrum gebaut, sondern im Nirgendwo, zwischen Flughafen Jomo Kenyatta und Nationalpark Nairobi gepflanzt. Das futuristisch anmutende Gebäude hat auf den ersten Blick nur wenig mit einem Bahnhof gemein. Eher ist hier der Vergleich mit einem Flughafen treffender. Sicherheitskontrollen, Sprengstoffkontrollen, Ausweiskontrollen und durchleuchten des Gepäcks. Auch das Einsteigen erfolgt über Schleusen wie im Flughafen. Ein Aufenthalt auf dem Bahnsteig ergibt sich erst gar nicht. Durch die eingleisige Strecke und die geringe Verfügbarkeit an Zügen und Waggons existieren derzeit nur zwei Verbindungen am Tag zwischen Nairobi und Mombasa. Die Waggons scheinen generalüberholt, aber mindestens 15 Jahre alt zu sein. In den Abteilen gibt es zweier und dreier Sitzreihen. Im Zug gibt es Service wie im Flugzeug. Die Preise sind moderat. Die durchschnittliche Geschwindigkeit des Zuges beträgt gerade mal 100 km/h. Langsam genug, um die Natur zu genießen. Vorbei am Nairobi Nationalpark, Chyulu Hills Nationalpark, Tsavo East und Tsavo West. Giraffen, Büffel, Elefanten, Antilopen, Nashörner und Affen säumten den Weg. Die Zugfahrt hat sich absolut gelohnt. Sie ist eine gute Alternative zum Flugzeug oder Bus. In Mombasa angekommen erfolgte die Weiterfahrt mit einem Matatu direkt nach Ukunda. Das Matatu lieferte uns für 700 KES bis vor die Haustür.

    Zunächst sah es vom Wetter her in Ukunda aus, als wenn es die nächsten Tage durchregnet. Doch ist es am Morgen auch noch so bewölkt, ab 10 Uhr brennt der Planet wolkenfrei vom Himmel. Anfang Oktober ist es in Diani Beach noch übersichtlich, die Saison hat erst begonnen. In den bekannten Bars an der Beach Road geht es noch gelassen zu und es gibt sogar kaltes Bier. Hochkonjunktur hat Anfang Oktober aber schon das horizontale Gewerbe in Diani Beach. Flittchen, wohin auch man nur sieht. Ansonsten hat sich in dem halben Jahr Abwesenheit von Diani nicht viel verändert. Wer mehr über Diani wissen möchte, schaut am besten in meinen letzten Reisebericht vom April 2018. Abgestiegen bin ich diesmal in Diani im Bright Star Resort, ein preisgünstiges Hotel, nicht weit weg vom öffentlichen Strand.

    Zurück nach Nairobi ging es dann mit dem Flugzeug. Von Ukunda aus gibt es diverse Airlines, zum Beispiel JamboJet oder Silverstone, die täglich eine Verbindung nach Nairobi Wilson anbieten. Tickets können günstig ab 3000 KES Oneway im Internet gebucht werden. Hier aber dringend die Gepäckbedingungen beachten. Es werden zwar 20 Kilo befördert, jedoch wird das Handgepäck in den 20 Kilogramm mit eingerechnet. Jedes Gepäckstück wird gewogen und dann wird man noch einmal zur Kasse gebeten. In meinem Fall waren das noch einmal 3000 KES. Also Vorsicht ist geboten. Die Flugzeit nach Nairobi beträgt eine Stunde. Kurios: Nach dem Service legen sich die Flugbegleiter erst einmal in die letzte Reihe zum Schlafen. Am Airport Nairobi Wilson kann sich jeder sein Gepäck von einem Bollerwagen holen. Die Fahrt in das Jambo Homestay dauerte mit einem Taxi knapp 45 Minuten. Was ein Homestay ist, erfahrt Ihr unter diesen Link. Zurück ging es am frühen Morgen. Hier empfiehlt es sich immer ein Taxi vorzubestellen. Der Flughafen Nairobi Joomo Kenyatta hat auch seine Eigenheiten. Wer mit dem Taxi anreist muss als Fahrgast an der Eingangsschranke aussteigen, durch eine Sicherheitskontrolle gehen, und danach wieder einsteigen. Der Fahrer muss sich aber keine Kontrolle unterziehen – findet den Fehler. Der Flughafen selbst ist ziemlich in die Jahre gekommen und an einigen Terminals ganz schön abgerockt. Immerhin waren die Preise relativ human und die Abfertigung und damit verbundenen Abreise aus dem Land pünktlich. Ankunft in Tegel pünktlich und diesmal auch mit Gepäck.

    Fazit: Auch dieses Mal hat mir die Reise nach Kenia gut gefallen. Insbesondere die Unterbringung bei den Einheimischen war spannend, auch wenn es nicht sonderlich bequem war, teilweise ohne Strom und fließend Wasser zu leben. Sehr bewundernswert wie sich viele mit dieser Situation immer wieder arrangieren. Der Nairobi Nationalpark war toll, ebenfalls Lake Naivasha und die Zugfahrt durch Kenia bleiben mir lange in Erinnerung. An der Südküste war es wieder sehr erholsam. Kenianische Ziegen schmecken nach wie vor köstlich, ebenfalls der frische Fisch aus See und Meer. Nicht vermissen werde ich allerdings den Lärm auf den Straßen und die ewig laute Musik. Lest auch meinen ersten Reisebericht aus Kenia! Und wenn Ihr Lust habt, auch noch den dritten Reisebericht.

     

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    Hendrik Lorenz

    *1970 in Braunschweig.
    Technischer Redakteur, Offsetdrucker und professionelles Arschloch.

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    Interessant ist, dass dieser Bericht bereits 10 Jahre her ist, und an der Informationspolitik hat si...
    Joomla Artikel vor 1 Tag
    Ich war letzte Woche, Anfang Juni, dort Übernachten. Ziemlich unruhig dort. Kann man nur am WE besuc...
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    Das ist doch schrecklich.kann man da garnichts machen.ich gucke direkt auf das hotel und möchte mir ...
    Joomla Artikel vor 6 Monaten
    Bernhard hat den Artikel Gefangen im eigenen Land kommentiert
    Zum Thema Übersterblichkeit kann man sich hier selber ein Bild machen: https://www.destatis.de/DE/Th...
    Joomla Artikel vor 9 Monaten

    Kenia

    Natur, Tiere und Strand.

    Der afrikanische Kontinent besitzt viele Länder mit den unterschiedlichsten Kulturen und der faszinierendsten Flora und Fauna. Jedoch sind nicht alle Länder so einfach touristisch zu erkunden wie Kenia.

    Goslar

    Wo die Welt noch in Ordnung ist.

    Wer im Braunschweiger Raum aufgewachsen ist, dem dürfte die Gegend um die mittelalterliche Stadt Goslar wohl bekannt sein. Zu DDR-Zeiten war der Westharz, der sich direkt hinter der Kaiserpfalzstadt emporhebt, immer eine beliebte Anlaufstelle. Nach der Wende brach der Tourismus ein und nimmt nun wieder langsam Fahrt auf.

    Mauritius

    Insel der vielen Enttäuschungen.

    Wer von der Insel Mauritius hört, denkt zuerst an kilometerweite weiße Sandstrände, Palmen und exotische Tiere. Einige Dinge treffen sogar zu, aber viele Dinge sind in Wahrheit doch völlig anders. Mauritius ist vor allen Dingen immer noch eines: Afrika.

    Unternehmungen

    • Devils Town

      Wenn die Städte Serbiens noch ein wenig trist und Post-Kommunistisch anmuten, so ändert sich das sofort, nachdem die Stadtgrenze erreicht ist und die Provinz begint. Eine komplett unberührte, unerschlossene und faszinierende Natur.

    • Lake Naivasha

      Touristenfrei, ich bin dabei. Weit weg vom du-ich-ficki Trubel an der Küste ist ein schöner See zu finden. Mitten in der Pampa tummeln sich Marabu, Pelikane, Ibisse und natürlich Flusspferde.

    • Kurische Nehrung

      Die fast 100 Kilometer lange Halbinsel teilen sich Russland und Litauen. Vieles erinnert an eine Nordseeinsel und vieles erinnert auch an die deutsche Vergangenheit dieses Ostsee Archipel.

    • Shimba Hills

      Nicht zu vergleichen mit einen der vielen Nationalparks, das Naturschutzgebiet Schimba Hills hat aber trotzdem viel zu bieten.

    • Der Invalidenfriedhof

      Der Invalidenfriedhof in Berlin befindet sich mitten in der Stadt am Mauerweg. Beim Durchqueren wissen die meisten gar nicht, das sie am Grab eines der größten Kriegsverbrecher vorbeilaufen.

    • Brooklyn Brewery

      Eine der 4000 aktiven Brauereien in den USA ist die Brooklyn Brewery in Williamsburg. Das Unternehmen bietet eine gute Brauereiführung an, die aber ein wenig zu sehr auf die Kohle der Besucher abzielt.

      Kuba

      Karibischer Kommunismus.

      Seit den 1960er-Jahren hat sich nicht viel auf der Insel Kuba geändert. Es geht nur stückweise voran. Immerhin gibt es Ende der 2010er-Jahren schon Internet, wenn auch nur auf Zeit begrenzt.

      Dominikanische Republik

      Der karibische Traum.

      Die Dominikanische Republik hat nicht den besten Ruf, gilt sie doch eher als Part- und ficki-ficki Hochburg betagter älterer weißer Herren. Doch die Halbinsel Samana wird diesen Ruf nicht gerecht.

      Russland

      Der letzte Abenteuerurlaub.

      Russland ist für viele auch heute noch keine Reise wert. Ich wagte den Schritt und tauchte ein in eine wunderbare Welt mit super Menschen.

      Städtereisen

      • New York City

        Mit dem Glück des Glücklichen noch schnell mit einen Direktflug von Berlin nach New York City - Kurz danach war AirBerlin pleite. Die Stadt, die einen an jeder Ecke an einem Film erinnert. Es lohnt sich.

      • Riga/Kuldiga

        Der baltische Staat ist heute schon lange kein Geheimtipp mehr. Allerdings ist Tourismus ausschließlich auf Riga konzentriert. Interessant wird es aber erst außerhalb der Metropolen Lettlands.

      • Prag

        Seit 30 Jahren erlebt die Stadt Prag jetzt einen ungebrochenen Touristenansturm aus aller Welt. Wird die richtige Jahreszeit gewählt, lässt sich die Stadt aber sehr entspannt erkunden.

      • Bukarest

        Die siebtgrößte Stadt der Europäischen Union ist Bukarest. Die Stadt im südlichen Rumänien besticht durch seine postkommunistische Architektur und seinen noch günstigen Lebenskosten.

      • Niš

        Im südlichen Serbien, quasi zwischen Sofia und dem Kosovo, liegt die Stadt Niš. Trotzdem die meisten noch nie etwas von dieser Stadt gehört haben, hat sie besonders im Umfeld sehr viel zu bieten.

      • Krakau

        Eine der interessantesten Städte Polens ist Krakau. Tief im Osten hat die Stadt sehr viel Geschichte zu bieten. Auf den Spuren von Oskar Schindler.