Reisebericht Prag (Tschechien) 2007

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Lang, lang ist es her. 1992, Länderspiel Deutschland gegen die Tschechoslowakei in Prag. 3000 Skinheads aus Ostdeutschland, Hooligans, Hitlergrüße und Randale auf dem Wenzelplatz. Das ist alles von Prag, was mir in Erinnerung blieb. Nach 15 Jahren wurde es dann doch einmal Zeit, die andere Seite der "goldenen" Stadt Prag kennenzulernen. Ganz ohne Fußball, eben das volle Touri-Programm. Als Reisemittel diente die gute, für Non-Service, hohe Preise und Megaverspätung bekannte Deutsche Bahn. Kaum zu glauben, aber mit 15 Minuten auf der Hin- und 20 Minuten auf der Rückfahrt hielt sich die Unpünktlichkeit durchaus im erträglichen Rahmen. Ein Schock bei der Ankunft in Prag: der Bahnhof Holesovice. Eine Mischung zwischen Erichs Lampenladen und Hannover-Hauptbahnhof in den 70er Jahren - mit dem entsprechenden Klientel. Die Unterkunft Pension Hermanova war nach 10 Minuten erreicht, und auch hier gab es eine kleine Überraschung. Das Zimmer in der Pension Hermanova war ein 8 qm Wohnklo, selbst im Knast von Berlin-Tegel dürften die Insassen in Einzelhaft über weitaus mehr Komfort verfügen. Aber selbst Schuld - es musste ja mal wieder billig sein. Dafür ließ sich die Innenstadt von Prag bequem zu Fuß erreichen und das war schon recht interessant. Das die Stadt Prag noch über so viel nostalgische Substanz verfügt war überraschend. Dies erklärt die enorme Touristeninvasion. Die Karlsbrücke glich zur Mittagszeit einer internationalen Belagerung. Eines Tages wird das gute Stück der Belastung nicht mehr stand halten und in sich zusammenfallen. Altstadt, Neustadt, jüdisches Viertel und die Burg. Das alles ist in drei Tagen in Prag kaum zu schaffen. Um wenigstens etwas anzureißen, war schon Eile geboten, denn im März ist es bekanntlich noch nicht so lange hell. Beschleunigen kann die Sightseeingtour Tram und Metro. Bei den Fahrplänen durchzublicken, war nicht immer einfach. Auch die elektronischen Anzeigetafeln funktionieren in der Regel nicht. Der Ticketverkauf ist undurchsichtig, Automaten gibt es nur wenige. Die Preise waren dafür im Vergleich zum ÖPNV in Deutschland äußerst preiswert. Überhaupt war Prag nicht so teuer wie befürchtet. An jeder Ecke gab es Bars und Cafés, die im Sommer sicherlich aus den Nähten platzen. Auch der Sauftourismus hat noch Hochkonjunktur. Bei Preisen ab 1 Euro für 0,5 l Bier ist das auch kein Wunder. Die Servicewüste im eigenen Lande kennt wohl jeder. Viel besser ist es an der Moldau allerdings auch nicht. Generell gilt anscheinend die Devise: Friss, sauf, lass möglichst viel Kohle da und verpiss dich dann wieder. Der Kunde hat auch in Prag nichts zu sagen. Zum Geld noch etwas: Wer Zeit hat, sollte vergleichen. Die Konditionen der Wechselstuben schwanken extrem. Teilweise bis zu 15 Euro. Und bloß nicht am Bahnhof umtauschen, die zocken zu einem miesen Kurs auch noch 5 % Provision zusätzlich ab. In der Stadt Prag geht das wesentlich besser. Als ordentlicher Touri sind Postkarten in die geliebte Heimat natürlich sehr beliebt. Aber auch hier wartet eine kleine Falle: Viele Geschäfte in Prag verkaufen die Karten ohne Briefmarken. Und die Suche nach der nächsten Post ist äußerst beschwerlich. Briefmarkenautomaten? Fehlanzeige. Also heißt es dann doch für eine Handvoll Briefmarken bei der Post Schlange stehen - und die sind nicht kürzer als bei uns. In Prag gibt es so viel zu sehen, dass pauschal eigentlich keine besondere Empfehlung ausgesprochen werden kann. Auch außerhalb der touristischen Highlights ist die Stadt sehenswert. Ein Muss sind jüdisches Viertel, die Altstadt und die Burg. Den Wenzelplatz muss niemand wirklich gesehen haben. Vielleicht ist es ratsam, bei der Burg so weit es geht die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Der Fußmarsch kann sich doch ganz schön ziehen.

Fazit: Prag ist eine sehr interessante Stadt. Die massenhaften Touristen trüben aber ein wenig das Bild. Zur Hauptsaison muss es schier unerträglich sein. Trotzdem, gerne mal wieder aber weiterhin nur in der Nebensaison.

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Hendrik Lorenz

*1970 in Braunschweig.
Technischer Redakteur, Offsetdrucker und professionelles Arschloch.

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