Der Invalidenfriedhof - Militärgeschichte am Mauerweg

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Wer den Mauerweg durch die Stadt geht, kommt an dem Invalidenfriedhof nicht vorbei. Viele Jahre durchquerte auch hier der Todesstreifen die historische Grabstätte und hinterließ nach der Wende ein Trümmerhaufen. Direkt am Schifffahrtskanal gelegen, gilt der Gottesacker heute als Gedenkstätte und wurde mühevoll wieder rekonstruiert. Noch heute befinden sich Teile der Hinterlandmauer auf dem Friedhof, der zu Berlins ältesten zählt. Einst gehörte der Friedhof zum nahe gelegenen Invalidenhaus (übrig gebliebenen Teile des Invalidenhauses gehören heute zum Bundesministerium für Wirtschaft und Energie). Ab Mitte des 19. Jahrhunderts galt es als Ehre, auf dem Invalidenfriedhof beerdigt zu werden. Deshalb befinden sich heute vorwiegend Veteranen aus preußischen und deutschen Militärgeschichte auf diesem Friedhof. Auch berühmte Persönlichkeiten und Schwestern des Invalidenkrankenhauses haben auf dem Gelände ihre letzte Ruhestätte gefunden. Nur wenige Persönlichkeiten aus dem Dritten Reich wurden auf dem Friedhof beigesetzt. Pläne, die berühmten Toten des Friedhofs in einer „Soldatenhalle“ auszustellen, wurden in der NS-Zeit nie verwirklicht. Die heute unbeliebteste Leiche des Invalidenfriedhofs ist die von Reinhard Heydrich, der „Schlächter des Dritten Reiches“, der einst die berühmte Wannseekonferenz leitete, bei der die „Endlösung“ der Judenfrage besprochen wurde. Neben Reinhard Heydrich ist auch Fritz Todt, ein Mitläufer Hitlers, auf dem Invalidenfriedhof beigesetzt. Hier versucht man bis heute den Mantel des Schweigens über die Tatsache zu legen. Am liebsten möchte man sich der „Problemgräber“ entledigen. Heute sind die „Problemgrabstätten“ unkenntlich gemacht. Dennoch ist es in Berlin kein Geheimnis, wo diese auf dem Friedhof zu finden sind. Die Befürchtung, die Gräber beider Akteure würden zu einem Wahlfahrtort für Neonazis bestätigten sich bis heute nicht. Eher sind sie Ziel linksextremistischer Spinner. So wurde die Ruhestätte Reinhard Heydrichs im Dezember 2019 geschändet, indem man versuchte, das Grab zu öffnen und die Gebeine zu entfernen. Die Aktion schlug fehl. Heute ist der Invalidenfriedhof ein schöner Platz der Erholung und der Ruhe. Eine imposante, sehr historische Grünanlage mit Wohlfühlfaktor. Auch wenn der Gang über einige Gräber einstiger Kriegsverbrecher ein komisches Gefühl auslöst.

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Hendrik Lorenz

*1970 in Braunschweig.
Technischer Redakteur, Offsetdrucker und professionelles Arschloch.

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