KZ-Sachsenhausen Oranienburg bei Berlin - Das etwas andere Lager

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KZ-Sachsenhausen Oranienburg bei Berlin

Auf Befehl der SS wurde die heutige Gedenkstätte Sachsenhausen 1936 als Konzentrationslager errichtet. Das Lager liegt etwa 35 km nördlich von Berlin in der Stadt Oranienburg. Dieses Lager war kein spontanes Versteck, sondern ein bewusst geplantes, exklusives Modelllager. Es sollte zeigen, wie ein Lager aussehen musste, das Menschen systematisch entmenschlicht, kontrolliert und vernichtet. Durch die Nähe zur damaligen Reichshauptstadt Berlin galt das Lager als deutliches Zeichen der Macht der NS-Herrschaft.

Der architektonische Entwurf des Lagers folgte einer geometrischen Kontrolle. Von der Kommandantur aus konnte ein Wachturm jede Baracke gleichsam im Blick behalten. Die Architektur selbst sollte Macht demonstrieren – ein Ort, an dem Menschen nicht nur eingesperrt wurden, sondern zu Objekten völliger Unterwerfung gemacht wurden.

Am Anfang wurden vor allem politische Gegner des NS-Regimes in das Lager deportiert. Es folgten Menschen aus ganz Europa, die nach der Besetzung ihrer Länder verschleppt wurden. Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Kriegsgefangene und alle, die der NS-Regierung nicht genehm waren, landeten im KZ Sachsenhausen.

Die Häftlinge wurden zu harter Zwangsarbeit gezwungen. Zuerst im Lager selbst, später in mehr als 100 Außenlagern, die nahe Rüstungsbetrieben wie Flugzeugwerken oder Fabriken lagen. Die Bedingungen waren wie in jedem KZ unmenschlich. Unterernährung, Krankheiten, Misshandlungen und oft auch der Tod durch Erschöpfung gehörten zum Alltag im KZ Sachsenhausen. Im Herbst 1941 begann die SS, Tausende sowjetische Kriegsgefangene mithilfe einer eigens dafür eingerichteten Anlage und bei der Erprobung von Gaswagen zu ermorden. Nur wenig später wurde im Lager ein Komplex errichtet, der einen Gaskammerraum und Vernichtungsanlagen enthielt.

Als 1945 die sowjetischen Truppen näher kamen, versuchte die SS, das Lager zu evakuieren. Über 30.000 Häftlinge wurden zu Fuß in Richtung Nordwesten geschickt ohne Nahrung oder Schutz. Es waren die sogenannten „Todesmärsche“. Viele Häftlinge starben unterwegs.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gelände noch eine Zeit lang als sowjetisches Speziallager. Auch in dieser Einrichtung litten und starben Tausende Menschen. Opfer waren ehemalige Wachleute und politisch Verfolgte. Die Geschichte des Ortes blieb von Leid und menschlicher Tragödie geprägt.

Einer der bekanntesten Häftlinge des KZ Sachsenhausen war Heinrich George. Heinrich George wurde 1893 in Stettin geboren und arbeitete sich schnell zu einem der bedeutendsten Schauspieler Deutschlands empor. Zunächst trat er auf Theaterbühnen auf, später auch im Film. In der Zeit der Weimarer Republik galt er als politisch links orientiert und sogar als Mitglied der Kommunistischen Partei. Während der NS-Zeit näherte er sich den Nationalsozialisten an und wurde deshalb nach dem Krieg von den Sowjets inhaftiert und in das Speziallager Sachsenhausen verbracht, wo er 1946 starb.

Ganz in der Nähe des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen befindet sich auch die alte SS-Bäckerei in Oranienburg – oft auch SS-Brotfabrik genannt. Die SS-Brotfabrik war kein gewöhnliches Bäckereigebäude. Die Fabrik wurde 1939 von Häftlingen des Konzentrationslagers Sachsenhausen gebaut und später auch betrieben. Sie befindet sich in Oranienburg am Oder-Havel-Kanal, nahe der damaligen Bundesstraße 273. Die Brotfabrik sollte die SS-Einheiten, das Konzentrationslager Sachsenhausen und später auch weitere SS-Dienststellen mit Brot versorgen. Die produzierte Menge war enorm: anfangs etwa 10.000 Brote täglich, später – nach Einführung von Schichtarbeit und zusätzlichen Backöfen – bis zu über 40.000 Brote pro Tag. Etwa 80 Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen arbeiteten in der Fabrik. Sie mussten täglich mehrere Kilometer vom Lager zur Bäckerei marschieren und dort unter Aufsicht der SS arbeiten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nutzte die Rote Armee kurzzeitig die Bäckerei, um überlebende, kranke und geschwächte Häftlinge des Sachsenhausen-Lagers zu ernähren. 1946 wurde der Betrieb an eine Konsumgenossenschaft übergeben und ab 1948 als VEB Konsum-Großbäckerei Oranienburg bis 1991 weitergeführt. Die Brotfabrik steht heute leer und ist verfallen. Teile des Innenbereichs wurden 1994 durch ein Feuer zerstört. Das Gebäude steht zwar unter Denkmalschutz, ist aber nicht öffentlich zugänglich und derzeit in einem sehr schlechten Zustand.

Neben der alten Brotfabrik befindet sich das Gelände des ehemaligen Klinkerwerks Oranienburg. Das Klinkerwerk Oranienburg war ab Spätsommer 1938 ein Großziegelei- und Backsteinerzeugungsbetrieb nahe der Lehnitzschleuse am Oder-Havel-Kanal, etwa 2 km vom Hauptlager des KZ Sachsenhausen entfernt. Es sollte riesige Mengen an Baustoffen produzieren, die die Nationalsozialisten für den Umbau Berlins zur „Welthauptstadt Germania“ benötigten. Tausende Häftlinge des KZ Sachsenhausen wurden täglich zur Arbeit ins Klinkerwerk getrieben. Sie mussten die Anlage bauen, Ziegel pressen, brennen und transportieren – oft unter brutalen Bedingungen, mit schlechter Verpflegung und ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit. Auf dem Rückweg nach Sachsenhausen zogen sie oft einen Karren mit den Leichen der Toten des Tages – ein Zeichen dafür, wie brutal das Arbeitsregime war. Unter den Häftlingen herrschte große Angst, denn die SS nutzte das Klinkerwerk auch als Ort gezielter Mordaktionen. Am 10. April 1945 wurde das Klinkerwerk bei einem alliierten Luftangriff fast vollständig zerstört. Dabei kamen viele Häftlinge ums Leben. Danach räumte die SS das Lager und führte die verbliebenen Gefangenen zurück nach Sachsenhausen. Nach dem Krieg wurden die verbliebenen Anlagen größtenteils gesprengt und das Gelände zunächst anderweitig genutzt. Seit 1996 steht das Areal unter Denkmalschutz.

Fazit: Ein Besuch des ehemaligen KZ-Sachsenhausen lohnt sich definitiv. Ich war über die Größe des Lagers und die angrenzenden Verwaltungsgebäude der KZ-Kommentator und des SS-Truppenlagers (Überwiegend noch erhalten) sehr überrascht. Auch wenn dieses Lager nicht mit dem typischen Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau zu vergleichen ist, gibt es doch einen guten Einblick dieser damaligen Einrichtung für nicht genehme Menschen. Viele Gebäude sind im eigentlichen Lager nicht mehr erhalten, die wenigen vorhandenen Barracken bieten Ausstellungen & Dokumentationen. Wer Zeit hat, sollte auch die Außenlager (SS-Brotfabrik und das Klinkerwerk an der Lenitzschleuse) besuchen. Diese Gedenkstätten sind allerdings durch die Entfernung zum Hauptlager schwer zu erreichen.

 

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