Testbericht Tauchbasis Reef Oasis Viva Dominican (Dominikanische Republik) 2023

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Eigentlich sollte es lediglich ein erholsamer Badeurlaub werden. Das eigene Tauchgepäck blieb deshalb zu Hause, denn allein der Transport hätte rund 300 Euro gekostet. Ganz auf einen Blick unter die Wasseroberfläche der karibischen Seite der Dominikanischen Republik zu verzichten, kam allerdings nicht infrage. Tauchmaske und 5-mm-Shorty befanden sich im Gepäck, sämtliche übrige Ausrüstung musste vor Ort gemietet werden. Leihausrüstung gehört grundsätzlich nicht zu meinen bevorzugten Lösungen. Zum einen genießt die eigene Ausrüstung deutlich mehr Vertrauen, zum anderen fällt es schwer, Gegenstände zu nutzen, die bereits unzählige andere Taucher getragen oder im Fall des Atemreglers, im Mund hatten. Eine Alternative gab es in diesem Fall jedoch nicht.

Der erste Kontakt im Reef Oasis verlief eher ernüchternd. Auf die Nachfrage nach Preisen folgte weder ein Verkaufsgespräch noch erkennbare Begeisterung. Vielmehr entstand der Eindruck, dass neue Kunden nicht unbedingt Priorität hatten. Erst mit gezückter Kreditkarte kam etwas Bewegung hinter den Tresen. Zum Kennenlernen der Basis fiel die Wahl zunächst auf zwei Tauchgänge. Die Anmeldung erfolgte digital, zog sich aufgrund einer äußerst langsamen Internetverbindung jedoch erheblich in die Länge. Wie inzwischen fast überall mussten zahlreiche Haftungsausschlüsse unterschrieben werden. Die Bezahlung war ausschließlich per Vorkasse möglich – entweder bar oder mit Kreditkarte.

Im Wochenprogramm standen unter anderem Wracktauchgänge. Eine Buchung kam jedoch nicht zustande. Als Begründung diente die Tiefe von etwa 30 Metern sowie die Unsicherheit, ob der Druckausgleich problemlos funktionieren würde. Diese Argumentation wirkte wenig nachvollziehbar. Wer Schwierigkeiten mit dem Druckausgleich hat, verzichtet in der Regel bereits auf den Tauchgang. Dass ein bislang problemlos funktionierender Druckausgleich plötzlich versagt, dürfte eher die Ausnahme sein. Gebucht wurde schließlich ein Paket mit zwei Tauchgängen an einem Tag. Der Preis betrug 120 Euro inklusive kompletter Leihausrüstung. Die Leihgebühr von 20 Euro pro Tag erschien fair, die verbleibenden 50 Euro pro Tauchgang bewegten sich dagegen bereits im oberen Bereich.

Die Leihausrüstung hinterließ keinen besonders guten Eindruck. Das Tarierjacket zeigte deutliche Gebrauchsspuren, am Neoprenanzug lösten sich bereits einzelne Teile und die Flossen wirkten eher wie einfache Schnorchelflossen als wie Ausrüstung für Gerätetaucher. Auch die Instrumentierung fiel äußerst spartanisch aus. Zur Verfügung stand lediglich ein Finimeter. Weder Tiefenmesser noch Tauchcomputer gehörten zur Ausstattung – ein deutlicher Minuspunkt.

Der Weg zum Tauchplatz erfolgte mit einem Schnellboot. Glücklicherweise war dieses nur etwa zur Hälfte ausgelastet. Bereits unter diesen Bedingungen wirkte der gesamte Ablauf ausgesprochen hektisch. Bei voller Besetzung wäre vermutlich Chaos entstanden. Insgesamt entstand der Eindruck, dass vor allem Geschwindigkeit gefragt war. Positiv fiel das ausführliche und gut strukturierte Briefing auf. Vollständig verzichtet wurde allerdings auf einen Buddy-Check. Weder Guides noch Taucher kontrollierten gegenseitig Ausrüstung oder Partner. Gerade dieser Sicherheitscheck gehört zu den wichtigsten Bestandteilen jeder Tauchausbildung. Sein vollständiges Fehlen hinterließ daher einen fragwürdigen Eindruck.

Unter Wasser lag der Schwerpunkt des Guides eindeutig darauf, möglichst viele interessante Punkte zu zeigen. Die Kontrolle der Buddy-Teams oder regelmäßige Blicke auf die Gruppe rückten dagegen spürbar in den Hintergrund. Nach rund 30 Minuten begann die Tauchmaske dauerhaft und stark vollzulaufen. Dadurch ging zunächst der Kontakt zum Buddy und anschließend zur gesamten Gruppe verloren. Da sich das Problem nicht beheben ließ, blieb nur der Abbruch des Tauchgangs. An der Oberfläche angekommen, befand sich das Boot bereits in einiger Entfernung. Umso erfreulicher fiel die Reaktion der Bootsbesatzung aus. Die Situation wurde schnell erkannt und kurze Zeit später erfolgte die Aufnahme an Bord.

Für die undichte Maske trägt selbstverständlich niemand Verantwortung. Etwas mehr Aufmerksamkeit des Guides und vor allen Dingen des Buddys hätte den Abbruch des Tauchgangs möglicherweise dennoch verhindern können. Der zweite Tauchgang verlief deutlich entspannter. Die Unterwasserwelt bot allerdings keine außergewöhnlichen Highlights. Rochen, Barrakudas und Kofferfische gehörten zu den üblichen Sichtungen. Etwas gewöhnungsbedürftig verlief erneut das Einsteigen ins Boot. Noch während des Einstiegs wurden Flossen und Bleigurt unmittelbar abgenommen. Das lässt sich durchaus als Service interpretieren. Gleichzeitig entstand jedoch erneut der Eindruck, dass sämtliche Abläufe möglichst schnell abgeschlossen werden sollten.

Insgesamt erinnerte die Organisation stark an Erfahrungen mit Tauchbasen in Kuba. Ausrüstung, Abläufe und Arbeitsweise unterschieden sich nur geringfügig. Offenbar scheint diese Art der Organisation in der Karibik keine Seltenheit zu sein. Eine wirklich gute Bewertung fällt schwer. Dafür traten zu viele organisatorische und sicherheitsrelevante Schwächen zutage. Die ausschließliche Vorkasse wirkt wenig kundenfreundlich. Gerade in der Karibik kann das Wetter innerhalb kurzer Zeit umschlagen. Fällt ein Tauchgang aus, entsteht zusätzlicher Aufwand, bereits bezahlte Leistungen zurückzuerhalten.

Auch die Leihausrüstung sollte dringend modernisiert werden. Schnorchelflossen für Gerätetaucher bereitzustellen, passt nicht zum aufgerufenen Preisniveau. Gleiches gilt für die äußerst dürftige Instrumentierung mit lediglich einem Finimeter. Der Guide war ohne Zweifel bemüht, den Gästen möglichst viel zu zeigen. Dabei sollte jedoch die Sicherheit stets oberste Priorität genießen. Ein zusätzlicher Kontrollblick auf die Gruppe ist häufig wichtiger als die nächste Attraktion. Auch die Organisation rund um Materialausgabe und Rückgabe hinterließ keinen guten Eindruck. Bei der Ankunft war nichts vorbereitet, nach dem Tauchgang fühlte sich niemand für die Rücknahme der Ausrüstung verantwortlich. Letztlich landete diese kurzerhand am Pool, weil kein Ansprechpartner zu finden war. Bei einem Preis von 50 Euro pro Tauchgang darf durchaus erwartet werden, dass die Logistik reibungslos funktioniert.

Zum Abschluss bestand immerhin die Möglichkeit, das Logbuch abstempeln zu lassen. Ohne eigenen Tauchcomputer mussten sämtliche Tauchdaten allerdings aus der Erinnerung rekonstruiert werden. Von sechs möglichen Sternen erhält das Reef Oasis Viva Dominican drei Sterne. Ein Stern Abzug erfolgt für den insgesamt schwachen Service, ein weiterer für die mangelhafte Organisation vor und nach den Tauchgängen. Ein dritter Stern geht aufgrund der Sicherheitsdefizite verloren – insbesondere wegen des fehlenden Buddy-Checks. Schließlich kostet auch die geringe Aufmerksamkeit des Guides unter Wasser einen weiteren Stern. Positiv in Erinnerung bleibt dagegen die Bootsbesatzung. Das Team arbeitete aufmerksam, hilfsbereit und reagierte im entscheidenden Moment schnell und professionell. Dafür gibt es den einzigen Pluspunkt dieser Bewertung.

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